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Geschichte der Pfadfinderheime unseres Stammes

1959/1960
 

Rüdiger Hachtmann  ergreift am 1. Oktober die Gelegenheit, ein Grundstück am Altenhägener Kirchweg von Bauer Lettau aus Altenhagen für den Stamm zu pachten. Die Mobil-Oil stellt kostenlos eine ehemalige Büro-Baracke zur Verfügung,  mit Hilfe befreundeter Firmen wird auf dem Grundstück ein Fundament gegossen und bis Ostern 1960 das neue Heim errichtet. Die Mitglieder des Stammes helfen bei den Ausschachtungsarbeiten, legen einen Graben an, um die Versorgungsleitungen vom Hauptweg zum Haus zu legen, helfen beim Mauern eines massiven Anbaus und kümmern sich um den Innenausbau.

 

1962
 

Rüdiger ruft einen Förderkreis für das Pfadfinderheim ins Leben. Mitglieder sind ausschließlich ehemalige Pfadfinder des Stammes. Der Förderkreis wird Eigentümer des Hauses und Pächter des Grundstücks, bindet sich aber durch seine Satzung an den Stamm.

 

1967/68
 

In den sechziger Jahren wird das Heim intensiv durch den Stamm genutzt. Das Haus hat drei Gruppenräume, einen kleinen Schlafraum und eine Küche. Kanalisation gibt es zwar nicht, aber ein „Plumpsklo“ erfüllt seinen Zweck. Schwierigkeiten gibt es hin und wieder beim Beheizen der Räume, da nicht immer ausreichend Brennstoff für die Kohleöfen vorhanden ist und die Öfen oft schwierig anzufeuern sind. Man entschließt sich daher 1967 die ersten Ölöfen anzuschaffen. Darüber hinaus wird das Inventar durch eigene Einbauten und die Anschaffung neuer Möbel verbessert. Die Gruppen des Stammes bekommen jeweils die Verantwortung für einen der Räume. Die Rasenflächen und der Obstbaumbestand des Grundstücks müssen vom Stamm regelmäßig gepflegt werden, da dies eine Maßgabe des Pachtvertrages ist.

 

1969/70
 

Mit dem Beginn der „Revolution“ im BDP verändert sich auch die Nutzung des Heims. Die Gruppenleiter bzw. die Stammesführung und die Rover beanspruchen nun den festen Anbau für sich allein, er wird als „Clubraum“ hergerichtet. Die anderen Räume werden jetzt häufig für Feste und Partys genutzt. Mit sinkender Mitgliederzahl geht allerdings auch die Nutzung und vor allem Instandhaltung zurück. Die Aktivitäten verlagern sich z.T. in den „bookshop“ in der Mauernstraße.

1970/1971
 

Mit dem Übertritt des Stammes in den Bund der Pfadfinder (BdP) gehen am Heim einige Renovierungsarbeiten einher. So wird vor allen Dingen der Meutenraum neu gestaltet. Die Auseinandersetzungen im BDP haben allerdings auch Auswirkungen auf den Förderkreis, in dem inzwischen auch Eltern von Pfadfindern und aktive Pfadfinder Mitglied geworden sind. Die alten und Gründungs-Mitglieder können sich mit dem Wechsel zum BdP nicht anfreunden und behindern Investitionen und Erneuerungsarbeiten an Haus und Grundstück.

 

1972/73
 

Bei einem Einbruch wird im Frühjahr Feuer gelegt.  Ttrotz schnellem Eingreifen der Feuerwehr entstehen erhebliche Schäden am Haus so dass sich die Frage stellt, ob ein Wiederaufbau überhaupt sinnvoll ist. Eine Mehrheit im Förderkreises ist nicht gewillt, einen vollen Wiederaufbau oder sogar Ausbau zu finanzieren, obwohl die finanziellen Mittel vorhanden sind. Man einigt sich mit dem Stamm auf eine Teil-Restaurierung und die Prüfung der Möglichkeiten für einen Neubau. Hierzu werden Anfragen beim Bauamt der Stadt Celle gestellt. Dadurch wird bekannt, dass die Planung für die Trasse der Ostumgehung der Stadt Heim und Grundstück mit einschließen und daher jegliche Baugenehmigung ausgeschlossen ist.

Auch eine vom DRK zur Verfügung gestellte Baracke, die der Stamm an der Fundumstraße abreißt und zum Heimgelände transportiert, darf nicht errichtet werden.

Das Vermögen des Förderkreises ist aber durch Versicherungsleistungen inzwischen so angewachsen, dass, wenn man nicht die Gemeinnützigkeit gefährden will, in ein Pfadfinderheim investiert werden muss. So beginnt Gerd (Gerd Röpke) für den Stamm nach Alternativen zu suchen und Gespräche mit Jugendpfleger, Liegenschaftsamt und Grundstückseigentümern zu führen, um später dem Förderkreis einen Vorschlag machen zu können.

Durch den schlechten baulichen Zustand des Hauses kommt es schließlich im Februar 1973 zu einem erneuten Einbruch mit Brandstiftung. Der Schaden ist diesmal noch größer als beim ersten mal und eine weitere Nutzung des Hauses scheint unmöglich. Der Stamm zieht daher um in den leerstehenden Kuhstall von Bauer Lettau in Altenhagen. Auf eine Initiative von Koko (Hans-Dieter Klemmstein) bewilligt der Förderkreis Mittel zur notdürftigen Wiederherstellung des Meutenraumes.

Bei einem Gespräch mit Jugendpfleger Bernd Nitsche erwähnt Gerd, dass er in der Tangentenschleife an der Nienburger Straße ein Grundstück mit Gebäude entdeckt habe. Dieses sei seiner Ansicht nach für die Zwecke der Pfadfinder ideal. Bernd Nitsche verspricht, hierzu die Eigentumsverhältnisse zu klären. Es stellt sich heraus, dass es sich um eine Liegenschaft der Stadt Celle handelt, die als Behelfsunterkunft des Sozialamtes genutzt wird. Mit Bernd Nitsches Hilfe fragt der Stamm offiziell bei Stadtrat Grüner an, ob es die Möglichkeit einer Nutzungsänderung gäbe und das Haus ggf. den Pfadfindern zur Verfügung gestellt werden könnte.
 

1974/75
 

 Bernd Nitsche trägt den Wunsch der Pfadfinder nach einer neuen Bleibe den zuständigen Gremien der Stadt vor. Gleichzeitig interessiert Gerds Mutter, die inzwischen Vorsitzende des Förderkreises ist, Oberbürgermeister Hörstmann für das Projekt. So kommt schließlich ein positiver Beschluss der Stadtverwaltung zustande. Dem Stamm werden - unter der Voraussetzung, dass man den Bewohnern eine neue Wohnung zuweisen kann -. durch Ratsbeschluss Haus und Grundstück an der Nienburger Straße zur Verfügung gestellt.

Aber trotz des Engagements von Frau Röpke verhält sich die Mehrheit des Förderkreises noch abwartend und kann sich nicht entschließen, den Stamm bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Erst als durch die gemeinsame Initiative von Herrn Jürgen Rehl, Frau Röpke, einigen Eltern und den aktiven Pfadfindern die Mehrheitsverhältnisse im Förderkreis gekippt werden können, gelingt es, Mittel für das Projekt an der Nienburger Straße freizumachen und so auch der Stadt Celle, neben einer finanziellen Beteiligung, einen rechtsverbindlichen Vertragspartner anzubieten. Damit ist der Weg frei für einen Nutzungsvertrag zwischen Förderkreis und Stadt Celle der bis heute Bestand hat.

1976
 

Im Beisein von OB Hörstmann, dem Bundesvorsitzenden des BdP Helmut Jung, dem Landesvorsitzenden Frank Helmut Zaddach, dem Stadtjugendpfleger Bernd Nitsche, vieler Eltern und natürlich den Mitgliedern des Stammes werden am 12. Mai die Schlüssel für das „Haus der Pfadfinder“ offiziell übergeben.

Nach einer nur viermonatigen Umbauphase, die von Koko geleitet wurde, stehen dem Stamm jetzt fünf Gruppenräume, ein Bad, zwei Toiletten und eine Küche zur Verfügung. Darüber hinaus bietet das z. T. bewaldete, 3000qm große Gelände Platz für Zeltlager und Spielaktivitäten.

Der Förderkreis kündigt den Pachtvertrag des Grundstücks am Altenhägener Kirchweg und ändert seine Satzung zu Gunsten der Förderung des neuen Hauses und der allgemeinen Pfadfinderarbeit des Stammes.
    
 

1988

 

Mit Unterstützung des Fördervereins werden in den ersten Jahren immer wieder kleinere Renovierungen durchgeführt und das Haus so ausgestattet, dass nun auch regelmäßig Gäste aus anderen Vereinen und Stämmen für Lager und Wochenendveranstaltungen aufgenommen werden können. Im August 1988 findet das erste Sommerfest des Stammes auf dem Heimgelände statt; eine Veranstaltung, die zur jährlichen Tradition werden soll.

  

 

1997

 

Am 28. Januar wird nach einem Einbruch das Heim durch einen Brand fast völlig zerstört. Fast die gesammte Ausrüstung des Stammes ist vernichtet.

In einer beispiellosen Spenden- und Unterstützungsaktion helfen die Bevölkerung, Eltern, Freunde, Politiker der Stadt und nicht zuletzt die Presse, dass das Haus wieder aufgebaut werden kann.

Fast rund um die Uhr arbeiten die Pfadfinder, Eltern und Mitglieder des Fördervereins am Wiederaufbau. So kann das neue Heim bereits zum Sommerfest des Stammes im September wieder eröffnet werden. Neue sanitäre Anlagen, ein Werkraum und eine funktionale Küche machen das Haus jetzt noch atraktiver für die Jugendarbeit.

 

 

2006

 

Das Heim wird heute fast täglich durch die Gruppen des Stammes benutzt und steht an Wochenenden und in der Ferienzeit auch Gästen und befreundeten Gruppen für Veranstaltungen zur Verfügung. Mit 2 großen multifunktionalen Gruppenräumen, Sanitäranlagen mit Duschen, einer Küche, einem Werkraum, einem Materiallager und einem Außengelände mit Feuerstelle und Holzkohte bietet das Haus Platz  auch für größere Gruppen. Das "Haus der Pfadfinder" ist in Celle inzwischen ein Begriff und Mittelpunkt der Pfadfinderarbeit des BdP geworden.

 

 

[Gerd Röpke, Amsterdam, 2007]