Halter von Diabetes-Katzen müssen den Blutzuckerwert ihrer Katzen relativ oft messen, und das tun sie mit einem Glukometer; es reicht ein Tropfen, und das Glukometer vermeldet den Wert. Glukometer sind im Handel zu durchaus erschwinglichen Preisen erhältlich. Details, welche für Katzen geeignet sind, hat Helga auf ihrer Hometestingseite: www.katzendiabetes.de/1045566.htm.
Halter von Anämie-Katzen müssen nicht so oft, aber doch regelmäßig den Hämatokrit bestimmen lassen, bei Epo-Gabe am besten sogar wöchentlich. Das bedeutet jedesmal Stress, weil das Tier dazu erst zum Tierarzt gebracht werden muß, weil niemand eine Hochgeschwindigkeitszentrifuge zu Hause hat und sich bei den gängigen Preisen auch keine solche anschaffen kann (Googelt mal nach "+Hämatokrit +Zentrifuge": Ohne Rotor kostet eine Kleinzentrifuge um die 1.000 Euro, der Rotor kostet noch einen Hunderter dazu). In der US-Anämie-Liste habe ich im November 2006 aber von einer erschwinglichen Mini-Zentrifuge gelesen, mit der man tatsächlich selber zu Hause den Hämatokrit (eigentlich ja das 'packed cell volume', PCV, zu deutsch 'Zellpackungsvolumen'; auf Helens Nierenseite ist der -- zu unseren Zwecken durchaus übersehbare -- Unterschied erklärt) testen kann, und habe sie mir angeschafft.
Entdeckt hatte sie auf eBay ein Listie, Jim Hayes, der die Mini-Zentrifuge auf ihre Katzentauglichkeit getestet hat. Seinen Testbericht findet Ihr hier: http://www.oocities.org/feline_crf/Anemia/index.htm. Auf der Seite sind auch Bilder und eine Beschreibung der Mini-Zentrifuge.
Letzte Woche kam die Mini-Zentrifuge an, und ich bin überrascht, wie einfach das geht! Deshalb diese Seite, um anderen Anämie-Katzenhaltern Mut zu machen. Ich übersetze Jims Text jetzt nicht wortwörtlich, sondern hänge mich lieber dran und spicke ihn mit zusätzlichen Kommentaren und Erklärungen, weil ich denke, sie sind zum besseren Verständnis nötig, wenn man noch nicht so große Erfahrung hat und so eine Zentrifuge noch nie in natura erlebt hat (wie es mir ja auch gegangen ist).
Dieses Fundstück auf eBay ist ideal fürs Hämatokritmessen zu Hause. Es ist Neuware, die ein Privatmann (Ed Brown) zusammenbaut und zu einem sehr vernünftigen Preis mit Garantie (!) verkauft. Der Link dazu befindet sich in Jims Testbericht. Ed hat mit Jim korrespondiert, wie man sein Angebot für Katzenhalter anpassen kann, und ich kann bestätigen, daß Ed sehr, sehr kooperativ und hilfsbereit ist. Doch dazu mehr weiter unten.
Was dieses Gerät (abgesehen vom Preis) attraktiv macht, ist u.a., daß die Kapillarröhrchen *nicht* versiegelt werden müssen. Wer das mal beim TA hat machen lassen, wird vielleicht bemerkt haben, daß bei den professionellen Laborschleudern das Kapillarröhrchen vor dem Zentrifugieren mit einer Paste verschlossen werden muß. Die einzelnen 'Kittstöpsel' sind in genau kalibrierten Schablonen eingelassen, in die der TA das Ende des Kapillarröhrchens einsteckt; diese Versiegelungswachsplatten kosten auch Geld, und die müssen für die betreffenden Kapillarröhrchen passend sein. Schon dieser Umstand macht solche Schleudern für den Heimgebrauch sinnlos; auch weil diese professionellen Schleudern für Labors gedacht sind und viele solcher Kapillare auf einmal aufnehmen können, was unsereins ja alles nicht braucht.
Die Mini-Zentrifuge von Ed wird aus Originalteilen zusammengebaut, die ursprünglich von Bayer hergestellt wurden und in den USA unter dem Markennamen Ames verkauft wurden. Diese Mini-Zentrifugen brauchen keine Ton-Stöpsel, weil die Kapillarröhrchen dünner, feiner und kürzer sind als die, die der Tierarzt oder das Labor in den professionellen Schleudern verwenden müssen. Also von daher schon mal eine Einsparung.
Jim schreibt in seinem Testbericht, daß er zwei solcher Ames-Zentrifugen zu Hause hat, die er seinerzeit mal aus Militärbeständen aufgekauft hatte, und die seien in der Tat sehr leicht zu bedienen. Jim nimmt an, daß der Grund für den Ausverkauf dieser Zentrifugen damit zusammenhängt, daß diese Dinger ursprünglich für den Einsatz in Kampfgebieten vorgesehen waren, und daß das Plastikgehäuse einfach nicht robust genug war, um die Behandlung durch relativ unerfahrene Sanitäter unter Stress auszuhalten. Eine der beiden Ames-Zentrifugen, die er vom Militär hat, ist am Gehäuse leicht beschädigt, das Deckelscharnier z.B., was er ohne Umstände reparieren konnte; die Schleuder selber aber funktioniert nach wie vor einwandfrei.
Jim (der auch auf der US-Nierenkranken-Katzen-Liste ist) hat mit Ed per eMail korrespondiert. Daß auch Haustiere davon profitieren konnten, war Ed nämlich erst gar nicht bewußt gewesen. Ed schickte Jim so ein Teil zu Testzwecken zu, u.a. auch einige Verbesserungsvorschläge, zu denen er Jims Meinung hören wollte. Jims Meinung: Gute Verarbeitung und definitiv erfolgversprechend.
Der auf eBay angegebene Preis zuzgl. Versand in Amerika beträgt 136 US-Dollar. Ed hat Jim gegenüber gesagt, daß man bei Direktbestellung bei ihm per eMail (also ohne über eBay zu ordern) die betreffenden Kommissionen einsparen kann und bei Bar- bzw. Scheckbezahlung auch die PayPal-Spesen nicht anfallen. Für unsereins in Europa ist aber PayPal noch immer die günstigste Variante, denn eine Banküberweisung in die USA kostet viel mehr, sowohl uns als auch den Empfänger.
Weitere Einsparmöglichkeiten:
Ich habe insgesamt inkl. Versand nach Europa (=20 Dollar) nur 125 US-Dollar bezahlt (97 Euro). Ed war so nett, das Päckchen von sich aus für den Zoll als "Gerät zum Anämiebestimmen bei Katzen" zu deklarieren (also nicht als "Zentrifuge", sonst wäre der Zoll wohl hellhörig geworden), und als Wert hat er nur 25 US-Dollar draufgeschrieben. Das hat offenbar alles genutzt, denn mir wurde das Päckchen einfach so zugestellt, ohne Zoll oder sonstige Zusatzgebühren. Es hat mich also tatsächlich nur 97 Euro gekostet.
Übrigens kommt die Zentrifuge eingepackt in eine Schachtel, welche in einer Kunststoffbox zusammen mit Netzteil, Adapter und jetzt Lanzetten liegt (Bild rechts; zum Vergrößern draufklicken).
Unter dem Zentrifugenteller im Gerät selbst befindet sich eine kleine schwarze Box, in der das Tütchen mit den Kapillarröhrchen liegt (Bild links; draufklicken zum Vergrößern). Sehr platzsparend das Ganze; die Kunststoffbox ist ungefähr 21 cm lang, 18 cm tief und 9 cm hoch. Meine Diskettenboxen waren größer. Unter den Schaumgummi, auf dem das Röhrchentütchen liegt, hat mir Ed einen Mini-Sechskantschlüssel gelegt, für den Fall, daß durch die Beförderung die winzig kleinen Sechskantmuttern des Rotors locker geworden sein sollten (was er aber nicht wirklich erwartete und was auch nicht der Fall war).
Wenn man den Zentrifugenteller und die Abdeckplatte darunter entfernt (einfach die schwarze Box, wo die Röhrchen drin sind, abheben), kommt man an die Kabel und das Batteriefach ran (siehe Bild rechts; draufklicken zum Vergrößern). Mit 4 handelsüblichen AA-Batterien läuft die Zentrifuge auch mit 11.000 Umdrehungen. Unsereins steckt natürlich das Netzteil an, keine Frage, aber ich könnte mir durchaus Situationen vorstellen, wo ein Batteriebetrieb nützlich sein könnte. Für einen geringen Aufpreis (Details kenne ich aber nicht) liefert Ed auch wiederaufladbare NiHM-Batterien und ein Solaraufladegerät dazu. Das ist aber eher was für den Betrieb in Entwicklungsländern; für solche Fälle liefert er auch noch unentgeltlich einen Ersatzrotor mit.
Ich weiß nicht, was eine Hämatokritbestimmung bei Eurem Tierarzt kostet. Ich habe bei Raya das letzte Mal auch die Elektrolyte mitbestimmen lassen, und das hat NETTO (ohne Zusatzkosten wie z.B. die 20% MwSt [wir sind in Italien!] oder den 2% Beitrag für die Tierärztl. Kasse) schon 28,60 Euro gekostet. Jim meint, die meisten Tierhalter in den USA zahlen zwischen 15 und 50 US-Dollar, je nachdem, ob nur der Test oder auch die Blutabnahme bezahlt werden muß. Also von daher lohnt sich die Anschaffung einer Mini-Zentrifuge ganz bestimmt.
Drei Dinge seien bei dieser Mini-Zentrifuge zu beachten, meint Jim:
Die Kapillarröhrchen sind nur 32 mm lang (die beim Tierarzt sind 70 oder 75 mm lang). Das bedeutet, daß die Skala auf dem Probenteller zwischen den Zehnerzahlen in nur jeweils 5 Teilabschnitte aufgeteilt ist (s. Bild rechts; draufklicken zum Vergrößern). Dadurch kann man u.U. sehr feine Unterschiede zum vormaligen Messen nicht erkennen. Jim meint dazu, daß das aber auf jeden Fall akzeptierbar ist, denn eine Katze zum TA zu schleifen, nur um eine Skala ablesen zu können, die eine 1%-Einteilung hat, ist keine gute Alternative. Ich habe beim letzten Mal bei Raya die TÄ belagert und mir genau zeigen lassen, wie die das machen und auch die Skala dort selbst ablesen dürfen (und die Zentrifuge ist ein Laborgerät, also eine ganz andere Größenordnung als diese Mini-Zentrifuge), und ich kann sagen, daß mich diese 1%ige Genauigkeit auch nicht beeindruckt hat. Da muß man auch ganz genau hinschauen, und wenn der Wachs-/Kitt-/Plastilin-Stöpsel unten auch noch ins Röhrchen reinragt, so daß die roten Blutzellen eh erst einen oder zwei Millimeter weiter oben anfangen, muß man sich die auch erst 'wegdenken' bzw. eine Ableseschlablone verwenden.Jim fügt am Ende seiner Beschreibung noch dazu, daß er weder mit der Herstellung dieser Zentrifuge noch zu Ed Brown irgendeine Beziehung hat -- sie haben sich lediglich per eMail ausgetauscht. Jim findet, das ist eine hervorragende Chance, der Katze einen TA-Besuch zu ersparen -- wie beim/fürs Diabetes-Hometesting. Es ist einfacher, billiger und zuverlässiger.
Ich sollte das wohl auch dazusagen; Ed Brown kenne ich nicht persönlich, aber er ist sehr hilfsbereit, was ich, glaube ich, mittlerweile vermittelt habe. Das kleine Schleuderchen hier ist so einfach, da kann ich nur dazu raten. Gestern abend habe ich Raya erst gekämmt (das mag sie) und dann die Ohren gerieben (soll man, damit sie warm und gut durchblutet werden). Und dann habe ich gestochen (wie's auf Helgas Seite beschrieben steht). Das hatte ich noch nie vorher gemacht, und ich war baff, als da ein Blutstropfen auf Rayas schwarzem Ohr erschien und wie fix der in dem Röhrchen gelandet ist! Raya saß die ganze Zeit auf meinem Schoß und schnurrte, auch als ich das Ohr recht walkte. Das hat ihr gefallen! *freu*
Meinen ersten Versuch hatte ich allerdings an mir selber vorgenommen. Das Röhrchen sollte nach Möglichkeit schon voll (=100%) werden, da ja der rote Blutanteil daran gemessen wird (was bei mir einfach war, ein Stoß mit dem Lanzettgerät und da war schon ein dicker Blutstropfen, der sogar größer war, als das Röhrchen fassen konnte; ich habe übrigens einen PCV von 40%, falls das jemanden interessiert *grins*, also ok, innerhalb der Referenz [Frauen: 34-44%, Männer: 36-48%]; Ref.-Bereiche variieren bei Menschen wie bei Katzen auch je nach Autor; bei Katzen nach Kraft/Dürr: 30-44%). Bei meiner Raya (mein Blut war wesentlich dunkler als das ihre -- letztes Mal beim TA lag das PCV etwas über 20%) war ich noch etwas zögerlich, weil's das erste Mal war, und so habe ich das Röhrchen erstens nicht ganz vollgemacht (sollte ja nur eine erste Übung sein) und auf die Art sofort entdeckt, was ein häufiger Fehlerquell sein soll: Lufteinschlüsse nämlich. Der Blutstropfen sollte schon gleich groß genug sein, damit man das Röhrchen auf einmal befüllen kann. Wenn man das in wiederholten Aufsaugversuchen macht, kann nämlich zwischen die einzelnen Mengen Luft kommen.
Gisela Isten (gisrenist), erste Version: 9.12.2006. Weitergeschrieben am 10.12.06. — Links aktualisiert am 6.11.2011.
Verschiedenes
http://www.ziegen-caprine.ch/lexikon.html (auf der Seite runterscrollen bis zum Stichwort "Anämie und Bestimmung des Hämatokrit").