MorphOS: Das blitzschnelle Betriebssystem

 
Was ist MorphOS?

Dies wird wohl die meistgestellte Frage unter den Lesern dieses Artikels sein. Wahrscheinlich haben Sie diesen Namen noch nie zuvor gehört - MorphOS -, aber es ist sehr wahrscheinlich, daß Sie einen anderen Namen kennen: Amiga. Für diese Einleitung sollte es genügen zu erwähnen, daß MorphOS gegenwärtig eine verbesserte Kopie des AmigaOS darstellt (der Abschnitt Historische Anmerkungen erläutert diese Verbindung etwas näher).

MorphOS in Aktion 2 MorphOS in Aktion 1 Wenngleich auch ein funktionierender Klon des AmigaOS ein nettes Experiment ist, so liegt doch das echte Potential von MorphOS in seiner Fähigkeit, fortgeschrittenere Eigenschaften eines Betriebssystems bereitzustellen, über die das klassische AmigaOS in dieser Form nicht verfügt. Dies ist möglich, weil MorphOS um einen sehr flexiblen, leistungsfähigen und kompakten Microkernel herum errichtet wurde, Quark genannt, dessen Struktur nicht von Linux oder dem AmigaOS abgeleitet ist.

Eine markante Eigenschaft von MorphOS ist sein geringer Ressourcenbedarf. Eine komplette Installation benötigt weniger als 20 Megabyte für das vollständige Betriebssystem. Und sollte man seine Umgebung optimieren wollen und unbenutzte oder nicht-essentielle Teile des Systems entfernen, wird sogar nur halb soviel Platz beansprucht. Ein anderes hervorstechendes Merkmal von MorphOS ist seine Geschwindigkeit. Zwar ist es nicht als ein sogenanntes RTOS zertifiziert, aber in der Anwendung auf seiner typischen Hardware liegt sein Ansprechverhalten doch recht nahe an solch einem Echtzeit-Betriebssystem.

 
Die Hardware-Plattform

MorphOS läuft ausschließlich auf PowerPC-Prozessoren. Derzeit unterstützt werden zwei unterschiedliche Hardware-Plattformen: die PowerPC-Turbokarten für Amiga-Computer (entwickelt von phase 5 und bekannt als Cyberstorm und Blizzard) zum einen und zum anderen die PegasosPPC-Mainboards (welche von Genesi vertrieben und zudem in einem vollausgestatten Komplettsystem namens ODW, Open Desktop Workstation, angeboten werden). PegasosPPC-Boards werden durch die HAL/OF (Hardware Abstraction Layer/Open Firmware) initiiert, eine BIOS-ähnliche Software, die von bplan/Genesi unter dem Namen Smart Firmware für die eigenen PowerPC-Produkte entwickelt und gepflegt wird (und von jedem Entwickler/Hersteller PowerPC-basierter Hardware lizensiert werden kann). Somit kann MorphOS mit nur geringen Anpassungen auf jedem PowerPC-Mainboard betrieben werden, wenn dieses durch die HAL/OF initialisiert wird: ein Beispiel für solch eine Hardware, auf der MorphOS intern bereits läuft, ist etwa das EFIKA 5K2.

MorphOS ist ein proprietäres Betriebssystem - mit Ausnahmen einiger Komponenten, die als Open source-Projekte entwickelt werden. Derzeit ist MorphOS für Besitzer der oben erwähnten Pegasos- bzw. Amiga-Hardware kostenlos erhältlich. Nach einer Online-Registrierung erhält man Zugang zu einem FTP-Server, von dem ein ISO-CD-Image heruntergeladen und so eine bootfähige CD erstellt werden kann. Auch Updates können von dort bezogen werden.

 
Die Installation

Die Installation der meisten Betriebssysteme ist für gewöhnlich ein langer Prozess und kann, wenn man noch unerfahren ist oder schlicht Pech hat, auch schonmal zu einem echten Alptraum werden. Ein schlankes Betriebssystem wie MorphOS hingegen zeigt seine Vorzüge schon in der Installationsphase, und zwar sowohl in puncto Geschwindigkeit als auch Einfachheit.

Hierfür lege man die MorphOS-Boot-CD ins Laufwerk ein und wähle dieses als Startmedium in der HAL/OF aus. MorphOS startet direkt von der CD in eine voreingestellte Konfiguration mit geringen Systemanforderungen. Dies dauert weniger als eine Minute. Nun sollte mit dem Partitionierungswerkzeug mindestens eine bootfähige Partition auf der Festplatte erstellt und diese im Anschluß daran formatiert werden. Danach kann man ein Installationsskript starten, das MorphOS auf die gewählte Partition schreibt. (Das Skript regelt eine Reihe von Umständen und besonderen Fällen, doch grundsätzlich kopiert es schlicht alle Systemdateien und Verzeichnisse von der CD auf die Festplatte, wobei Voreinstellungen verwendet werden, die vom Anwender später nach eigenem Geschmack angepaßt werden können.)

Jetzt bloß noch die MorphOS-CD aus dem Laufwerk entfernen und den Pegasos zurücksetzen (entweder durch Drücken des Reset-Schalters am Rechner oder mit der Tastenkombination Strg-Win-Win). Nach ein paar Sekunden kehrt man in den Bildschirm der HAL/OF zurück, wo man noch ein paar Umgebungsvariablen setzen sollte, die z.B. die Bootpartition und weitere Bootparameter speichern.

Geschafft! (Bei älteren Fassungen der HAL/OF mußte der Anwender noch ein paar weitere Einstellungen vornehmen, aber Neueinsteiger bekommen ohnehin aktuelle Versionen.)

Gesamtzeit all der ebengenannten Operationen: nicht mehr als fünf Minuten! Aber Sie werden eine weitere Überraschung erleben: Lassen Sie MorphOS von Ihrer Festplatte starten und messen Sie die Zeit, die notwendig ist, um das Betriebssystem zu booten. Sie werden feststellen, daß dies in weniger als fünf Sekunden passiert: willkommen beim blitzschnellen Betriebssystem!

 
Charakteristische Eigenschaften

Der Kern von MorphOS ist komprimiert und in einer Boot-Datei namens boot.img gespeichert, die sich auf einem Speichermedium befinden muß, auf das die HAL/OF zugreifen kann. Diese Datei wird von der HAL/OF geladen und startet den Microkernel Quark sowie einige andere grundlegende Komponenten des Betriebssystems. Eine Reihe separater Dateien bildet den Rest des Systems und setzt auf dieser Software-Ebene auf.

Das AmigaOS zeichnet sich duch fortgeschrittene systemnahe Software-Eigenschaften aus, die von seinem Microkernel, Exec, zur Verfügung gestellt werden, wie etwa präemptives Multitasking, Inter-Process-Communication und weitere, die bei anderen populären Computern der 80er Jahre (Macintosh, PC, Atari, etc.) nicht zu finden waren. All diese Eigenschaften werden bei MorphOS selbstverständlich durch Quark bereitgestellt, welcher Microkernel darüberhinaus aber auch modernere Eigenschaften wie Speicherschutz, virtuellen Speicher und ähnliches bietet. Quark stellt überdies sogenannte Sandboxes (d.h. vom Rest des Systems abgeschirmte Umgebungen) bereit, in denen virtualisierte Betriebssysteme unabhängig voneinander laufen können. Gegenwärtig existieren zwei dieser "Sandkästen": zum einen die QBox, die im Moment nur für systemnahe Prozesse verwendet wird, und zum anderen die ABox, die ein bestimmtes API (Programmierschnittstelle) für Programme und Anwendungen bereitstellt. Tatsächlich ist dieses API vollständig kompatibel zu AmigaOS 3.1 (der letzten von Commodore für seine Amiga-Computer entwickelten und vertriebenen Version des Betriebsystems) und gewährleistet zusammen mit Trance (einem leistungsstarken JIT-Compiler für Amiga-Programme) einen hohen Grad an Kompatibilität mit weiten Teilen der bestehenden Amiga-Anwendungen. Seine komplexen Operationen führt Trance augenblicklich und im Verborgenen durch: jegliches gestartete Amiga-Programm wird automatisch erkannt, in PowerPC-Instruktionen konvertiert und auf der Stelle ausgeführt.

Ein Amiga-Spiel unter UAE Die Amiga-Workbench unter UAE Anzumerken ist allerdings, daß die große Zahl hervorragender Spiele, die den Amiga in den späten 80er und frühen 90er Jahren berühmt machte, nicht unmittelbar aus der MorphOS-Umgebung heraus gestartet werden können. Dies liegt daran, daß der Amiga mit einer Reihe spezialisierter, sogenannter "Custom Chips" ausgestattet wurde, insbesondere für die Grafik- und Tonausgabe. Deren Betrieb ist inkompatibel zu einem modernen System wie MorphOS, welches gängige 2D/3D-Grafikkarten sowie den Onboard-Sound und PCI-Soundkarten verwaltet. Trotzdem lassen sich auch diese alten Spiele auf dem Pegasos zum laufen bewegen; hierfür wird dann UAE benötigt, der "Universelle Amiga-Emulator", der auch für MorphOS erhältlich ist und die Spezialchips des Amiga emuliert.

Die native Kompatibilität von MorphOS zu alter Amiga-Software hat dagegen ein anderes Ziel. Der Anwender kann beinahe jede der neueren und fortgeschritteneren Amiga-Anwendungen betreiben, wenn diese dafür ausgelegt sind, auf zusätzlicher Grafik- und Sound-Hardware für Amiga-Computer zu laufen. Die dafür notwendigen Software-Ebenen, die als CGX (CyberGraphX) und AHI (Audio Hardware Interface) bekannt sind und die notwendige Hardware-Abstraktion vornehmen, sind vollständig in MorphOS integriert.

ShowGirls und MUI-Einstellungen MUI-Einstellungen MUI-Informationsseite Wie schon das AmigaOS, so stellt auch MorphOS zwei sehr kompakte, effiziente und vollständig integrierte Schnittstellen (Command Line Interface, CLI, eine Befehlszeilen-Oberfläche, und Graphic User Interface, GUI, eine grafische Benutzeroberfläche) für Konsolen- und grafische Anwendungen zur Verfügung. Obwohl diese eingebauten CLI/GUI-Systeme leicht für die Arbeit ausreichen, bevorzugen viele eine sehr viel fortgeschrittenere, mit grafischen Extras aufgewertete Benutzeroberfläche. Um dies zu berücksichtigen, hat MorphOS die stärker objektorientierte GUI-Ebene MUI (Magic User Interface) übernommen. MUI stattet den Programmierer nicht nur mit fortschrittlicheren GUI-Interaktionen und Gestaltungsmöglichkeiten aus, sondern erlaubt es auch dem Benutzer, diese Oberflächen nahezu vollständig seinem eigenen Geschmack anzupassen. Tatsächlich ist MUI einer der hervorstechendsten Bestandteile von MorphOS, sowohl in funktionaler als auch ästhetischer Hinsicht.

Die MorphOS-Shell Die MorphOS-Shell (Befehlszeilenübersetzer) ist ähnlich der von Unix und bietet alle Funktionen, die man von solch einer Komponente erwartet: AmigaDOS-Befehle (von denen viele unixähnlich sind), lokale und globale Variablen, die Vervollständigung und Umlenkung von Befehlen, benannte und unbenannte Pipes (bei ersteren erfolgt die Ausgabe des Befehls in eine Datei, bei letzteren wird sie direkt einem zweiten Befehl als Eingabe übergeben), eine History (d.h. die Shell merkt sich zuvor eingegebene Befehle), konfigurierbare Menüs, mehrere Shells innerhalb eines Fensters, ANSI-Kompatibilität, Farbauswahl und so weiter. Selbstverständlich beinhaltet der Befehlssatz auch alle notwendigen Befehle für Skripte. Kurz gesagt: CLI-Anwender werden nicht enttäuscht sein.

MorphOS-Desktop Haupt-Einstellungen Ambient-Einstellungen Ambient ist die MUI-basierte, vollständig asynchrone und mehrprozeßgestützte Standard-Oberfläche von MorphOS. Obwohl der Quellkode offenliegt, ist Ambient praktisch exklusiver Bestandteil von MorphOS, da es sehr stark mit MUI und dem Betriebssystem verbunden ist und daher eine Portierung in eine andere Umgebung sehr schwer wäre. Zum Funktionsumfang von Ambient zählen die Handhabung der Programm-Piktogramme, das Navigieren in Verzeichnissen, das Starten von Programmen, das Arbeiten mit Dateien und alles was sonst noch notwendig ist, um das System zu verwalten. Ambient läßt sich in hohem Maße an die Bedürfnisse des Benutzers anpassen: die Dateiverwaltung kann im klassischen Fenster- oder auch im Browser-Modus erfolgen, wobei die Anzeige in Listenform ebenso möglich ist wie die Darstellung als Piktogramme. Die Dateitypen-Erkennung findet mittels direkter Dateienerkennung und/oder sogenannter "MIME-Types" statt. Für letzteres wird eine Datenbank mit vorher definierten Dateitypen herangezogen, wobei der Anwender volle Kontroll- und Anpassungsmöglichkeiten besitzt, um die mit den einzelnen MIME-Types verknüpften Aktionen festzulegen. Ambient erlaubt es dem Benutzer, mit den eingebauten Werkzeugen vielerlei Vorgänge einfach durchzuführen: integriert sind ein Suchprogramm für Dateien, Text- und Bildbetrachter, Musikabspieler, ein Systemmonitor, ein Formatierprogramm, eine Verwaltung für "Commodities" genannte Hilfsprogramme und vieles mehr. Mittels des Ambient-Menüs kann der Anwender zudem auch alle Einstellungen seiner MorphOS-Umgebung vornehmen, einschließlich der MUI-Einstellungen und der Desktop-Oberfläche selbst.

Übrigens muß sich der Anwender nicht notwendigerweise auf den Einsatz von Ambient beschränken. Andere aus der Amiga-Welt bekannte Desktop-Umgebungen können zur selben Zeit eingesetzt werden oder Ambient sogar vollständig ersetzten, so zum Beispiel Directory Opus (welches auch für Windows-Benutzer als Ersatz für den Explorer erhältlich ist), Scalos oder gar die klassische Amiga-Workbench (wobei letzteres allerdings den etwas "verrückteren" Anwendern vorbehalten sei, die gerne ein wenig herumbasteln).

Die bisher vorgestellten Bestandteile des Betriebssystems sind diejenigen, die der Anwender immer sieht und mit denen er arbeitet: ihr optischer Eindruck und die einfache Bedienbarkeit haben einen hohen Einfluß auf die Beurteilung durch den Benutzer. Ambient-Anwender etwa können zwischen unterschiedlichen sogenannten "Skins" wählen und so während des Betriebs das Aussehen aller Fenster, Schaltflächen und anderer grafischer Elemente verändern (einige dieser Skins sind auf den Abbildungen zu sehen). Andere Systembestandteile hingegen bleiben lautlos und unsichtbar, sind aber dennoch ebensowichtig, da der Computer ohne sie nicht benutzbar wäre. Einige Beispiele hierfür sind die Dateisysteme, die USB-Verwaltung, Druckertreiber, fortschrittliche Skriptsysteme und vieles mehr. Auch diese sind selbstverständlich Bestandteil von MorphOS; sie werden in diesem Artikel jedoch nur kurz angesprochen, hauptsächlich im Hinblick auf besondere Eigenschaften, die über das hinausgehen, was man von diesen verborgenen Helfern ohnehin erwartet.

Dateisysteme für Festplatten sind besonders wichtige Systembestandteile, da sie über wertvolle Daten wachen. So verfügt MorphOS über eine Implementierung des Amiga-Standarddateisystems FFS (Fast File System), welches aber hauptsächlich aus Kompatibilitätsgründen vorhanden ist. SFS (Smart File System) ist demgegenüber ein sehr viel schnelleres und zuverlässigeres Dateisystem, welches Zugriffe auf die Dateistruktur überwacht, bevor sie tatsächlich durchgeführt werden. Anders gesagt handelt es sich bei SFS um ein sogenanntes Journaling-Dateisystem, welches auch dann die Datenintegrität gewährleistet, wenn der Rechner während eines Schreibvorgangs abstürzt. SFS wurde als Standarddateisystem für MorphOS übernommen, es werden aber darüber hinaus auch noch weitere unterstützt - so beispielsweise das beeindruckende PFS (Professional File System), welches als kommerzielles Produkt für den Amiga erhältlich war, oder das allgegenwärtige FAT (File Allocation Table) von MS-DOS. Reparaturwerkzeuge sind sowohl für SFS (SFSDoctor ist ein kürzlich für MorphOS entwickeltes Programm hierfür) als auch für PFS verfügbar und in der Lage, gelöschte Daten wiederherzustellen, zerstörte Dateisystem-Strukturen zu reparieren oder durch Neuanordnung den Grad der Fragmentierung zu reduzieren. Nutzer von Windows oder Linux werden erfreut sein, daß es zudem möglich ist, mittels freier, vorläufiger Implementationen der betreffenden Dateisysteme auch mit NTFS- und EXT2FS-Partitionen zu arbeiten.

Der USB-Stack von MorphOS heißt Poseidon und ist vielleicht der effizienteste Vertreter seiner Art überhaupt. Die beste Beschreibung seiner Eigenschaften liefert sicherlich dessen Autor, Chris Hodges, weshalb dessen Worte im folgenden wiedergegeben werden mögen: "Poseidon ist eine Software-Lösung, die die Möglichkeiten des Universal Serial Bus (USB) sowie der zugehörigen Geräte mit USB-Anschluß entfesselt: seien es nun Mäuse, Tastaturen, Grafiktablets, Joysticks, Drucker, Scanner, Webcams, Digitalkameras, Flashkartenleser, Memorysticks, Netzwerkadapter, ZIP- und Floppy-Laufwerke, Festplatten, Audioadapter oder nicht ganz so alltägliche Vertreter wie GPS-Geräte und Fingerabdrucksensoren. Das modulare Design von Poseidon erlaubt eine nahtlose Integration in die AmigaOS- bzw. MorphOS-Umgebung. Dabei handelt es sich nicht um eine Anpassung bestehender Systeme (wie etwa des USB-Stacks von Linux), sondern wurde unter Berücksichtigung jener einzigartigen Möglichkeiten des AmigaOS bzw. MorphOS entwickelt, die diese Betriebssysteme so effizient machen." Hinzuzufügen ist noch, daß Poseidon seine Aufgaben stets vollkommen automatisch zu verrichten versucht, zugleich aber dem Anwender im Bedarfsfall unglaubliche Konfigurationsmöglichkeiten für einzelne USB-Geräte zur Verfügung stellt, die ihn so ziemlich jedes Problem lösen lassen.

Das Druckersystem, das MorphOS übernommen hat, ist TurboPrint, ein lizenziertes, kommerzielles Software-Paket, das außer für den Amiga auch in der Linux-Welt vertrieben wird. Es erlaubt eine vollständige Kontrolle über den Drucker und dessen Farben und steht selbstverständlich transparent jeder Anwendung zur Verfügung. TurboPrint benötigt zwar ein Update, falls Treiber für aktuelle Drucker benötigt werden, aber dafür bringt das Paket dann auch gleich ein paar nützliche Druckerwerkzeuge mit, die MorphOS selbst nicht beiliegen.

Das überragende Skript-System, das das AmigaOS seit der Version 2.0 auszeichnet, ist ARexx, eine Implementierung von REXX, welche interpretierte und strukturierte Hochsprache von IBM eingeführt wurde. Auf dem Amiga hat beinahe jede wichtige Anwendung einen ARexx-Port, über welchen sie (meist vollständig) durch ARexx-Skripte oder sogar durch ARexx-Befehle, die andere Programme ihr geben, extern gesteuert werden kann. Somit können fortgeschrittene Anwender durch schlichte ARexx-Anweisungen interaktive Vorgänge zwischen beliebig vielen eigenständigen Programmen ebenso erzeugen und steuern wie auch vollkommen automatische Aktivitäten jeder einzelnen Anwendung für sich (welche Möglichkeiten bereits in jahrelanger Anwendung auf dem Amiga ausgiebig erkundet wurden). MorphOS besitzt eine native Implementation dieser Sprache (mit Ausnahme einer einzigen Bibliothek, an der gegenwärtig noch gearbeitet wird, weshalb sie bei Bedarf im Moment noch aus einer bestehenden AmigaOS-Umgebung hinzukopiert werden muß).

 
Ergänzungen zu MorphOS

Es gibt einige Programme, die heutzutage als Standardkomponenten eines Betriebssystems betrachtet werden, wie etwa ein Installationswerkzeug für Software-Pakete, ein Text-Editor, ein TCP/IP-Stack, ein E-Mail-Programm oder ein Web-Browser. Wer MorphOS eine Weile benutzt hat, wird allerdings feststellen müssen, daß diese Programme in der zur Zeit veröffentlichten Version (1.4.5) fehlen. Ebenso aber wird man nach ein paar Suchanfragen im Netz feststellen, daß sich quasi kein MorphOS-Anwender (außer Anfängern) hierüber beklagt. Dieser offensichtliche Widerspruch ist eine Folge der gebeutelten Geschichte des Amiga, beeinträchtigt die Nutzbarkeit von MorphOS aber nicht weiter. Bevor also nun die falsche Vermutung aufkommt, MorphOS sei ein unvollständiges Betriebssystem, mögen die folgenden Ausführungen den Sachverhalt in die richtige Perspektive rücken.

In seiner derzeitigen Form ist MorphOS bestens für seine aktuelle Anwenderschaft geeignet, die sich überwiegend aus eingefleischten Amiga-Fans zusammensetzt. Ihnen stellte sich während des raschen Aufstiegs der Windows-PCs das Problem, die Funktionalität eines Betriebssystems zu erweitern, das nicht länger weiterentwickelt wurde. Denn obgleich die Markenrechte später in andere Hände gelangten, erfolgte in den 90er Jahren nach Commodores Untergang keine grundlegende Weiterentwicklung mehr. Stattdessen überlebte dieses Betriebssystem durch die Anstöße vieler unabhängiger Entwickler, die allmählich beinahe jede fehlende Eigenschaft hinzufügten. Der größte Teil dieser Software ist zentral aus einem großen Depot von Free- und Shareware für den Amiga herunterladbar, dem Aminet, das derzeit 76.000 Einträge umfaßt. Die Faustregel für Amiga-Anwender lautet daher: wenn etwas fehlt, besorge es dir aus dem Aminet. Eine Regel, die inzwischen natürlich auch für Neueinsteiger in Sachen MorphOS gilt.

MorphOS liegt kein Installationswerkzeug für aktuelle und alte Software bei.
Gehen Sie ins Aminet und laden Sie den Installer 43.3 herunter. Hierbei handelt es sich selbstverständlich um eine eigenständige Datei, die Sie einfach von Hand in ein geeignetes Verzeichnis Ihrer Festplatte kopieren können.

MorphOS besitzt keinen Texteditor zur Anpassung der Startskripte oder Bearbeitung einfacher Texte.
Es gibt eine vielzahl von Editoren im Aminet. Sie können dessen Webseite aufrufen und sich dort heraussuchen und installieren, was Sie benötigen. Auch werden Sie dort einige Editoren vorfinden, die zudem bereits in nativer PowerPC-Form für MorphOS kompiliert wurden.

MorphOS hat keinen TCP/IP-Stack.
Nun, gehen Sie einfach ins Aminet und laden Sie sich MOSNet herunter. Dieser TCP/IP-Stack liegt in nativer PowerPC-Form für MorphOS vor.

MorphOS liegt kein E-Mail-Programm bei.
Der Quellkode der beiden verbreitetsten E-Mail-Programme für den Amiga liegt offen. So können Sie YAM oder SimpleMail von Sourceforge oder ihren jeweiligen Webseiten herunterladen. Sogenannte "Nightly Builds" der jeweils aktuellen Entwicklungsstände liegen auch PowerPC-nativ für MorphOS vor.

MorphOS hat keinen Browser.
Der Quellkode von AWeb, zuvor ein kommerzielles Produkt, wurde von dessen Autor Anfang des Jahrtausends der Amiga-Gemeinschaft geschenkt. Alle neueren Versionen dieses Browsers, die vom derzeitigen Entwicklerteam erstellt wurden, sind auf der AWeb-Homepage erhältlich, auch in nativen Fassungen für MorphOS.

(Anzumerken ist, daß alle zuvor genannten Anwendungen Open source-Software sind, mit Ausnahme des Installer 43.3, der jedoch frei kopierbar ist. Ihre Benutzung beeinträchtigt in keiner Weise die Eigentümerrechte von MorphOS oder Software-Paketen, die von unabhängigen Programmierern und/oder Software-Häusern zu kommerziellen Zwecken programmiert oder vertrieben werden.)

MorphOS verfügt bloß über eine sehr geringe Dokumentation.
Durch die bereits erwähnte API-Kompatibilität werden 75% aller möglichen Probleme durch die Dokumentation des AmigaOS 3.1 abgedeckt. Nichtsdestotrotz ist MorphOS aber nicht bloß ein schlichter Klon des Amiga-Betriebssystems: Es beeinhaltet bereits eine große Anzahl von Verbesserungen, welche jedoch dem unbedarften Anwender zumeist nicht ins Auge fallen. Auch hier hat die Benutzergemeinschaft wieder ihre Hilfe angeboten und bei der Erstellung und Übersetzung des PDF-Buches Le livre du Pegasos (Das Pegasos-Buch) mitgeholfen. Dieses Buch beinhaltet eine Vielzahl sehr nützlicher und wichtiger Informationen bezüglich der Hardware und der Software sowie auch der diversen Konfigurationsmöglichkeiten, die man für die Nutzung des MorphOS/Pegasos-Gespanns benötigt.

Zusammengefaßt ist der Hauptpunkt also, den man verstehen sollte, daß die gegenwärtige MorphOS-Anwenderschaft lediglich den Ausgangspunkt, also quasi das Sprungbrett dieses Betriebssystems darstellt. Künftig hingegen sollte sie größer sein und sich nicht notwendigerweise auf den Amiga-Bezug beschränken; außerdem könnten zukünftige Versionen von MorphOS auch kommerziell vertrieben werden. In solch einem Fall wird das MorphOS-Entwicklerteam selbstverständlich jeden Wechsel der angestrebten Anwenderschaft berücksichtigen. Neue Distributionen werden somit entweder proprietäre Versionen der fehlenden Bestandteile enthalten (so ist die Existenz eines integrierten TCP/IP-Stacks beispielsweise bereits bekannt) oder aber den noch unerfahrenen Nicht-Amiga-Benutzer explizit auf externe Komponenten hinweisen.

 
Die Entwicklung von MorphOS

Anfangs war MorphOS ein Traum, der von einer Handvoll sehr talentierter, junger Entwickler nach und nach verwirklicht wurde. Als sich aber schließlich das Mainboard der bplan GmbH (der Hardware-Schmiede Genesis) seiner Fertigstellung näherte und ausschließlich MorphOS mit den 200 Betatester-Boards ausgeliefert wurde, erfuhr das Betriebssystem eine umfassende Unterstützung und dementsprechend beschleunigte Weiterentwicklung. In den vergangenen zwei Jahren jedoch verlangsamten sich die Fortschritte wieder, als Genesi sein Augenmerk hauptsächlich dem Entwurf neuer Hardware und der Verbesserung der HAL/OF-Software zuwandte - sowie anderen Betriebssystemen, wie etwa diversen Linux-Distributionen, welche freilich eine weit größere Anzahl potentieller Anwender aufzuweisen vermögen.

Gegenwärtig verläuft die Weiterentwicklung von MorphOS langsam, aber beständig, und verteilt auf mehrere gleichzeitige Aktivitäten.

(1) Der absolute Kern des Betriebssystems im boot.img wird ausschließlich vom MorphOS-Entwicklerteam gepflegt. Sobald Verbesserungen in diesem Bereich von den Team-Mitgliedern hinreichend getestet sind, um sie auch für Endanwender freizugeben, wird für gewöhnlich zugleich auch ein CD-ISO-Image mitveröffentlicht, das eine komplette MorphOS-Installation beinhaltet und die Grundlage darstellt für eine neue Version des Betriebssystems.
Zwar weiß man bisher nur wenig über die aktuellen Erweiterungen, aber allgemein bekannt ist doch, daß das MorphOS-Entwicklerteam intern bereits seit langem ein neues boot.img nutzt, in welchem viele Komponenten sehr stark verbessert wurden. Als ein Beispiel hierfür sei die vollständige Unterstützung durch alle Bereiche der Systemsoftware für Altivec genannt (den Fließkomma- und Ganzzahl-SIMD-Befehlssatz leistungsfähigerer PowerPC-Prozessoren), welcher in speziellen Bereichen für deutliche Geschwindigkeitssteigerungen genutzt werden kann.

(2) Andere Bereiche von MorphOS, die außerhalb des boot.img angesiedelt sind, werden als separate Dateien aktualisiert und veröffentlicht, so daß registrierte Anwender sich diese herunterladen und selbst installieren können. Diese Updates erfolgen nach Bedarf - sei es, um neue Funktionen anzupassen, Probleme zu beheben oder einfach auch einen Eindruck von dem zu vermitteln, was kommen wird (Alpha- und Beta-Software).
Letzteres betrifft zum Beispiel die Version 4 von MUI, Version 6 von AHI, Version 3.3 von Poseidon, erweiterte CGX-3D-Treiber oder entwanzte Fassungen einiger Bibliotheken.

(3) Die Software-Entwicklung für MorphOS unter Beteiligung Dritter im Open-Source-Bereich erfolgt sehr aktiv und wird gut angenommen sowie auch diskutiert. Ein spezieller Fall hierbei ist der Desktop Ambient, dessen Quellkode vom ursprünglichen Autor offengelegt wurde und an dessen Weiterentwicklung neben anderen Programmierern auch Mitglieder des MorphOS-Entwicklerteams aktiv teilnehmen.
Ambient wird rasch und den Endanwendern gut sichtbar weiterentwickelt: neben den regulären Veröffentlichungen können auch automatisierte, tägliche Kompilate dieser MorphOS-Komponente, die sogenannten Nightly Builds, von jedermann heruntergeladen und installiert werden.

(4) Als eine interessante Maßnahme, um die Aufmerksamkeit von Drittentwicklern zu gewinnen, haben sich die Anwender zusammengetan, um ähnlich anderen Umgebungen auch für MorphOS ein sogenanntes "Bounty"-System einzurichten. Dabei werden Ideen für künftige Entwicklungsprojekte eingereicht sowie Geld als Anreiz für ihre Umsetzung gespendet.
Dieses Bounty-System ist bereits Ausgangspunkt mehrerer bemerkenswerter Programme geworden, so etwa von SFSDoctor und MOSNet (welche bereits weiter oben erwähnt wurden), sowie MorphUp (ein Paket-Manager zur automatisierten Software-Installation und deren Aktualisierung). Auch findet das Bounty-System sogar zur beschleunigten Fertigstellung von Kernbestandteilen des Betriebssystems Anwendung, die von besonderem Wert für die Anwender sind. Ein solcher Fall eines Bounty-Projektes in Zusammenarbeit mit dem MorphOS-Entwicklerteam ist die letzte noch fehlende native ARexx-Bibliothek (rexxsyslib.library).

Was also ist nun das Ziel dieses ein wenig anarchischen Entwicklungsprozesses? Immerhin kennen wir seinen mutmaßlichen Namen: MorphOS 1.5 - und daß der Umfang dieses Updates ambitioniert ist. Denn die Version 1.5 des Betriebssystems soll unter anderem die Notwendigkeit unterstützender externer Programme weitgehend beseitigen und MorphOS dafür qualifizieren, auch außerhalb der Amiga-Gemeinde zu debütieren. Leider jedoch ist nicht bekannt, wann mit der Veröffentlichung dieser Version gerechnet werden kann - außer, daß sie nicht allzu bald erfolgen dürfte. Denn wie Frank Mariak, einer der Leiter des MorphOS-Entwicklerteams, dem Verfasser mitteilte, ist der Funktionsumfang von MorphOS 1.5 noch nicht endgültig definiert.

 
Entwicklerwerkzeuge

Bisher wandten sich die einzelnen Abschnitte eher an Leser, die etwas über MorphOS aus der Sicht des normalen Anwenders erfahren wollen. Aber es gibt eine weniger häufige Nutzergruppe, die sicherlich an bestimmten anderen Details der MorphOS-Umgebung interessiert ist: die Entwickler. Bei ihnen handelt es sich um die wichtigsten Personen einer jeden Computerplattform - gibt es doch schließlich ohne sie keine neuen Programme mehr, wodurch die Plattform rasch in eine Phase der Stagnation überginge. Ob nun von beruflichem Interesse geleitet oder zu Hobbyzwecken, möchte doch jeder Programmierer wissen, was für eine Arbeitsumgebung für sein Wirken zur Verfügung steht.

So stellt MorphOS selbstverständlich ein Software Development Kit zur Verfügung, mit welchem der Programmierer seine Anwendungen erstellen kann. Dieses SDK ist kostenlos: jeder Entwickler kann sich auf der Webseite der MorphOS Developer Connection anmelden und die gewünschten Archive herunterladen. Das SDK steht jedermann zur Verfügung, auch wenn man gar keine Hardware besitzt, auf der MorphOS läuft. Das hat zwei wichtige Auswirkungen: zum einen erlaubt es die Entwicklung von Integrated Development Environments seitens Dritter (Cubic IDE), sowie zum anderen auch das Cross-Compiling von anderen Plattformen aus, namentlich Linux, oder Windows mittels cygwin (weiterführende Links: Cross-Compiling für MorphOS, AmiDevCpp). Die Webseite der MorphOS Developer Connection weist auch ein Entwicklerforum auf, in dem alles, was die Entwicklung und verwandte Themen betrifft, diskutiert werden kann.

Das MorphOS-SDK enthält alle System-Includes; zudem Entwicklerunterlagen einschließlich Autodocs, Artikel, Beispiel-Quellkodes und allgemeine Informationen; außerdem Werkzeuge Dritter samt Entwicklerunterlagen sowie zwei sehr nützliche Komponenten, MorphEd und eine komplette Geek Gadgets-Umgebung. MorphEd ist ein fortgeschrittener Texteditor, der neben all den üblichen Textbearbeitungsfunktionen unter anderem auch Syntax-Highlighting, eine Entwicklerumgebungsunterstützung sowie die Integration etwa der Compiler GCC und vbcc bietet. Die Geek Gadgets sind eine große Sammlung von Entwicklerwerkzeugen, die für den Amiga bzw. MorphOS portiert wurden und sowohl in binärer Form als auch als Quellkode vorliegen. Das Paket enthält, neben anderen Bestandteilen, eine Reihe Befehle von Linux-Shells, deren Ziel es ist, jenen, die an Linux-Umgebungen gewöhnt sind, innerhalb der MorphOS-Shells ein vertrautes Umfeld zu schaffen.

Wobei allerdings das Vorhandensein von GCC, dem verbreitetsten C-Compiler, sowie anderer, die Liste der für MorphOS existierenden Interpreter und Compiler noch nicht erschöpft: die Skala reicht von PowerPC-Maschinensprache-Assemblern für die Programmierung auf unterster Ebene bis hin zu Hochsprachen wie dem klassischen FreePascal und moderneren Vertretern wie Python.

 
3D-Grafik

Die meisten derzeit verfügbaren alternativen Betriebssysteme weisen keine oder aber nur eine sehr geringfügige 3D-Grafik-Unterstützung auf. Dies liegt daran, daß die wenigen Firmen, die Grafikkarten entwickeln, entweder überhaupt gar keine technische Dokumentation veröffentlichen oder aber dies auf eine Art und Weise tun, die einzelnen Entwicklern viele Hürden in den Weg stellt. So stellen sie dementsprechend ihre eigenen Treiber für Windows zur Verfügung oder gestalten den Zugriff auf Entwicklerunterlagen und deren Anwendung sehr schwierig.

Vor diesem Hintergrund fehlender 3D-Unterstützung stellt MorphOS eine bedeutsame Ausnahme dar - wenn auch innerhalb gewisser Grenzen. Dies hat zwei Ursachen. Die eine ist die Entwicklung der tinygl.library, bei welcher sehr wichtigen Software-Komponente es sich (ihrem Namen zum Trotz) um eine hochkompatible und nahezu komplette MorphOS-Implementation der OpenGL-Spezifikationen handelt. Und zweitens konzentriert das MorphOS-Entwicklerteam all seine 3D-Aktivitäten auf eine nur kleine Zahl von Grafikkarten, die kompatibel zur PegasosPPC-Hardware sind.

Bei der Open Graphics Library (OpenGL) handelt es sich um einen Standard, der einen Satz von über 250 verschiedenen Funktionsaufrufen spezifiziert, deren Anwendung das Zeichnen komplexer 3D-Szenen anhand einfacher Stammfunktionen ermöglicht. Ihre Bedeutung liegt darin begründet, daß sie ein plattformunabhängiges API definiert. Entwickler, die beim Schreiben ihrer Programme auf OpenGL zurückgreifen, können somit darauf vertrauen, daß ihre Anwendungen auf jedem Rechner 3D-Grafiken erzeugen werden, der über eine Implementation dieser Bibliothek verfügt. Das ursprünglich von Silicon Graphics entwickelte OpenGL ist wichtig für die Spiele-Industrie (wo es einzig mit Direct3D unter Windows in Konkurrenz steht), wird aber auch für professionelle Anwendungen genutzt, bei denen eine einfache Handhabung von 3D-Grafik bedeutsam ist (angefangen bei Flugsimulatoren und Implementierungen von Virtueller Realität über hochwertige Darstellungsmöglichkeiten für wissenschaftliche Zwecke und Informationen bis hin zu technischen Anwendungen wie CAD).

Zur Beschreibung von TinyGL sei an dieser Stelle auf die Worte des MorphOS-Entwicklerteams zurückgegriffen: "TinyGL wurde ursprünglich von Fabrice Bellard als lediglich eine Teilmenge von OpenGL für eingebettete Systeme und Spiele geschaffen. Zu jener Zeit war noch keine Hardware-Beschleunigung vorgesehen. Zudem wurden nur die Hauptaufrufe von OpenGL implementiert. Die MorphOS-Version von TinyGL basiert daher nur lose auf dem Original. So wurde sie umgeschrieben, um vollen Nutzen aus vorhandener 3D-Hardware-Beschleunigung ziehen zu können, und enthält zudem eine Reihe mit Bedacht ausgewählter MESA-Funktionen. Unter MorphOS stellt TinyGL somit einen viel umfangreicheren Funktionssatz zur Verfügung und übertrifft gleichzeitig dennoch die Geschwindigkeit des Originals."

Natürlich reicht OpenGL/TinyGL für den Einsatz von 3D-Grafikkarten nicht aus. Spezielle Treibersoftware ist erforderlich, um die 3D-Hardware der Karten zu nutzen. Das MorphOS-Entwicklerteam hat daher Treiber für die folgenden PCI- und/oder AGP-Karten erstellt: 3dfx Voodoo 3, Voodoo 4, Voodoo 5; ATI Radeon 7000, Radeon 7200, Radeon 7500, Radeon 8500, Radeon 9000, Radeon 9100, Radeon 9200 und Radeon 9250. Wie man unschwer erkennt, handelt es sich hierbei zwar nicht gerade um die aktuellsten Grafikkarten auf dem Markt, aber dafür werden sie gut unterstützt und fügen sich optimal in die Leistungsdaten gegenwärtiger PegasosPPC-Hardware ein.

 
Spiele

Da die 3D-Grafik unter MorphOS nicht auf dem neuesten Stand der Technik ist, mag man sich fragen, warum das vorliegende Kapitel überhaupt mit aufgenommen wurde. Der Hauptgrund hierfür ist es, ein paar grundlegende Informationen zu den technischen Grenzen zu geben, die MorphOS auf diesem Gebiet erreicht hat. Kenner dieser Spiele können somit den gegenwärtigen Stand der 3D-Grafik unter MorphOS abschätzen, wenn sie erfahren, welche Spiele portiert wurden und welche Darstellungsqualität sie aufweisen.

Virtual Grand Prix 2 Virtual Grand Prix 2 Eines der bemerkenswertesten Spiele, die für MorphOS verfügbar sind, ist zweifellos Virtual Grand Prix 2 von Alassoft. Hierbei handelt es sich um eine sehr realistische Formel 1-Simulation (wahrscheinlich auch plattformübergreifend eine der realistischsten) mit netter 3D-beschleunigter Grafik und der obligatorischen Unterstützung analoger Eingabegeräte, die unter MorphOS dank des USB-Stacks Poseidon und der neuen lowlevel.library genutzt werden kann. Die MorphOS-Fassung des Spiels wurde bereits kurz nach den Versionen für Windows und Mac OS veröffentlicht, was in den Amiga-Wurzeln des Hauptprogrammierers, Paolo Cattani, begründet liegt. Beachtenswert ist, daß die MorphOS-Version völlig kostenlos ist (es wird lediglich eine PayPal-Spende in Höhe von 5,90 Euro vorgeschlagen, um den Entwickler zu unterstützen und ihn dazu zu ermuntern, eventuelle Fortsetzungen gleichfalls auch für MorphOS zu veröffentlichen). Das Spiel beinhaltet die meisten der realen Rennstrecken, die sehr nett umgesetzt sind und eine hohe Wiedererkennbarkeit aufweisen. Und diejenigen Strecken, die nicht von vornherein enthalten sind, können im Internet als Zusatzpakete heruntergeladen werden, die von anderen Spielern entworfen wurden. Das Spiel läuft relativ schnell und ist auch auf weniger leistungsstarken Systemen spielbar (z.B. unter einem G3-Prozessor mit 600 MHz sowie einer Voodoo 3-Grafikkarte).

Wipeout 2097 Zu den übrigen für MorphOS verfügbaren kommerziellen Spielen gehören auch all jene, die für klassische Amiga-Computer mit PowerPC-Erweiterung veröffentlicht wurden - beispielsweise die von Hyperion Entertainment vorgenommene Portierung von Heretic 2 oder das von Digital Images angepaßte Wipeout 2097. Bei letzterem handelt es sich um eine sehr gelungene Fassung des berühmten Spiels, die das beste der PlayStation-Version (der am besten spielbaren Variante) und der Windows-Version (die höher aufgelösten Grafiken zum Beispiel) vereint und somit die Amiga-Fassung zur besten Umsetzung von allen machte. Wipeout 2097 ist ein WarpUp-Programm, das für die Grafikbeschleunigung die Amiga-Software Warp3D benutzt; jedoch brauchen sich MorphOS-Benutzer hierüber, wie üblich, keine großen Gedanken machen. Wipeout 2097 läuft sowohl im Vollbildmodus als auch im Fenster transparent auf der Arbeitsoberfläche, nutzt dabei Grafik- und Soundkarten, die vom klassischen Amiga noch gar nicht unterstützt wurden, und kann mit USB-Controlpads gespielt werden. Und natürlich ist es auch schneller als es auf einem klassischen Amiga jemals war.

Quake III Viele Open source-Spiele wurden für MorphOS portiert, einschließlich vieler kommerzieller Spiele, deren Quellkode freigegeben wurde, wie die id Software-Meisterwerke Wolfenstein 3D, Doom, Doom II, Quake, Quake II und Quake III. Die Quake-Reihe unterstützt 3D-Beschleunigung, und im Falle des bereits älteren ersten Teils von Quake wurden auch die besser aussehenden Varianten Fuhquake, GLQuake und BlitzQuake portiert. All diese Spiele laufen dank der 3D-Beschleunigung auch in hohen Auflösungen ziemlich schnell.

Und da gerade von Egoshootern die Rede ist: auch Cube, AlephOne und das noch recht neue Freeware-Spiel Warsow wurden veröffentlicht. Warsow ist dabei vermutlich das grafisch komplexeste Projekt, das jemals an MorphOS angepaßt wurde (obgleich es auf der alten Quake II-Engine basiert), und dürfte daher in der Tat unter einem G3-Prozessor und einer Voodoo-Grafikkarte wohl nicht in annehmbarer Geschwindigkeit laufen. Aber immerhin zeigt es somit, daß bessere Hardware unter MorphOS keineswegs ungenutzt bleibt.

FreeSpace 2 Andere portierte Open source-Projekte umfassen beispielsweise Freespace 1 und Freespace 2 auf Basis der icculus.org-Anpassungen (wobei selbstverständlich die Originalversionen der Spiele benötigt werden) oder Spiele wie NeverBall und die 3D-Pool-Umsetzung FooBillard. Open Transport Tycoon Deluxe, die Open source-Reimplementation des Microprose-Spiels Transport Tycoon Deluxe, liegt ebenfalls vor. Die MorphOS-Version (die wie alle anderen auch die Datendateien des Originals voraussetzt) wird parallel zur offiziellen Fassung gepflegt. Das heißt, sie kann direkt von der Homepage des Projektes heruntergeladen werden, da die MorphOS-Unterstützung in den Hauptzweig der Quellkode-Entwicklung eingepflegt wurde. Open Transport Tycoon Deluxe verwendet die PowerSDL.library. Diese Programmbibliothek (deren spezielle Funktion weiter unten beschrieben wird) ermöglichte bereits die Portierung Dutzender kostenloser und quellkodeoffener SDL-Spiele für MorphOS.

Robin Hood Des weiteren existiert mindestens eine kommerzielle Softwareschmiede, die Portierungen für MorphOS umsetzt: RuneSoft (vormals Epic Interactive). So wurde bereits vor langer Zeit, als MorphOS die ersten Schritte tat, Knights and Merchants veröffentlicht, und erst kürzlich folgte Robin Hood. Knights and Merchants ist ein Strategiespiel ähnlich Die Siedler, jedoch mit besserer Grafik als die Version, mit der diese bekannte Saga 1993 auf dem Amiga ihren Anfang nahm. Robin Hood hingegen ist ein Echtzeit-Taktikspiel im Commandos-Stil, das ursprünglich von Spellbound für den PC herausgebracht wurde. Grafik und Ton stellen vermutlich das beste dar, was man bisher bei einem 2D-Spiel für MorphOS gesehen hat, und obgleich es somit in dieser Hinsicht etwas anspruchsvoller ist, läuft das Spiel infolge sorgfältiger Optimierungen auch auf einem G3-Pegasos flüssig. RuneSoft hat noch weitere Spiele in der Pipeline, und hoffentlich wird man auch weiterhin MorphOS unterstützen, soweit es sich denn in diesem Markt als realisierbar erweist. Da das Unternehmen stets Demoversionen seiner Konvertierungen veröffentlicht, können die Spieler diese antesten, bevor sie mit ihren Portemonnaies für eine fortgesetzte Unterstützung votieren.

ScummVM Aber freilich ist der Anwender unter MorphOS nicht darauf beschränkt, sich ausschließlich mit mehr oder weniger nativer Software zu unterhalten - denn es gibt auch viele Emulatoren und virtuelle Maschinen. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Art ist ScummVM, die freie Reimplementation jener Engine, die für die meisten Adventure von Lucas Arts bzw. Lucas Games verwendet wurde. Die jüngsten Versionen sind zudem kompatibel zu einigen Spielen anderer Hersteller (wie zum Beispiel Beneath a Steel Sky oder Broken Sword von Revolution) und glücklicherweise ebenfalls für MorphOS verfügbar. Besonders nett hieran ist die Möglichkeit, dadurch auch einige Adventure spielen zu können, die nie für den Amiga veröffentlicht wurden (Lucas Arts verließ den Amiga-Bereich nach Indiana Jones 4). Die Engine läuft tadellos und die jeweiligen Spiele bereiten mit ihrem Retro-Charme stets große Freude.

MAME FPSE Der Bereich der "echten" Emulatoren umfaßt unter anderem Genesis Plus und SMS Plus für die Sega-Konsolen, SNES 9x für das Super Nintendo Entertainment System (auch als "Super Famicom" bekannt), VICE für die VIC-Reihe der Heimcomputer von Commodore sowie MAME für die Spielautomaten. Alle genannten Emulatoren erfüllen ihre Aufgabe recht gut, zumal es sich nicht bloß um mal eben auf die schnelle vorgenommene Portierungen handelt, sondern beispielsweise durch die Bank auch USB-Controlpads und Overlay unterstützt werden (was etwa transparente Echtzeit-Änderungen des Fensters erlaubt). Eine nette Dreingabe ist zudem FPSE, ein PlayStation-Emulator: obgleich es sich hierbei um eine AmigaOS 4-Version handelt, welche somit OS4Emu benötigt, um unter MorphOS zu laufen, verhält sich FPSE, einmal gestartet, ganz wie ein natives Programm.

 
MorphOS-exklusive Software

Die geringe Größe des Betriebssystems und seine (relativ gesehen) einfache Struktur legt - unter anderem - nahe, daß Projekte, die auf anderen Plattformen ein Programmier-Team erfordern, auf MorphOS- bzw. Amiga-Systemen oft zu bescheidenen Ein-Mann-Projekten werden. Dies verlangsamt zwar den Entwicklungsprozeß, verleiht dafür aber dem Quellkode eine unglaubliche Effizienz, Einfachheit und Kompaktheit. In diesem Abschnitt werden ein paar exzellente Hilfsprogrammen für MorphOS vorgestellt, während im nächsten einige der bedeutsamsten und leistungsstärksten Anwendungen folgen.

AmiNetRadio
AmiNetRadio ANR ist ein Programm zur Audiowiedergabe. Ursprünglich für das Abspielen von ShoutCast-Streams gedacht, wuchs es rasch zu einer extrem modularen und mit zahlreichen Funktionen versehenen Software heran, die viele Audio-Formate und Visualisierungen unterstützt. Bereits in der Grundversion spielt das Programm RIFF WAVE, Ogg Vorbis, MPEG Audio, CDDA, AIFF und ProTracker-Module ab. Zudem dokumentiert ein SDK, wie zusätzliche Wiedergabemodule erstellt werden können, was zur Unterstützung von MIDI, ScreamTracker- und FastTracker-Modulen sowie einigen weiteren, obskureren Formaten durch Dritte geführt hat (einschließlich solcher vom NES, Super NES, Game Boy, Mega Drive und Atari ST). Dies macht ANR zu einem der geeignetsten Kandidaten, um den eingebauten Musikabspieler von Ambient zu ersetzen, wenn man es in der Mimetype-Konfiguration mit seinen Audio-Dateien verknüpft.
Allerdings ist zu erwähnen, daß es sich bei ANR eigentlich um eine 68k-Datei für AmigaOS 3.x handelt. Jedoch sind die Transparenz und Effektivität der Emulationsfähigkeit von MorphOS so gut, daß die meisten der vorgenannten Erweiterungen exklusiv für MorphOS in PowerPC-nativer Form kompiliert wurden und ohne weiteres im Mischbetrieb mit den 68k-Komponenten verwendet werden können. Dasselbe gilt auch für die Visualisierungen: ANR ist kompatibel zum API von AmiAMP (einer alten Amiga-Version des wohlbekannten WinAMP), weshalb entsprechende 68k- und PowerPC-Erweiterungen ebenso gemischt verwendet werden können. Zudem können auch solche Erweiterungen verwendet werden, die zu ihrer Zeit für jene damals eingeführten Binärformate kompiliert wurden, mit welchen die PowerPC-Turbokarten für den klassischen Amiga ausgereizt werden konnten (PowerUp und WarpUp). Wer hingegen nicht vom Amiga zu MorphOS kommt, sollte sich hingegen keine weiteren Gedanken machen: alles, was für ihn zählt, ist, daß MorphOS auf transparente Weise zu allem kompatibel ist, was an mehr oder weniger bizarren Binärformaten in der Vergangenheit am Amiga eingeführt worden ist, sofern es denn auf "systemfreundliche" Art und Weise geschrieben wurde. ANR selbst macht zudem zwecks besserer Skinfähigkeiten ebenfalls Gebrauch von einigen Erweiterungen des ursprünglichen AmigaOS 3.x-API, woraus letztlich eine MorphOS-Anwendung resultiert, die als 68k-Programm vorliegt.

ShowGirls ShowGirls
Wie der Name bereits sagt (zumindest jedem, der ein wahrer Computerfreak ist), handelt es sich hierbei um einen Bildbetrachter. Dessen in Ambient integriertes Gegenstück ist sehr einfach gehalten in seiner Funktionalität: es zeigt das Bild an, paßt seine Größe dem Fenster an, läßt es gegebenenfalls rotieren, und das war es dann auch schon. ShowGirls hingegen vermag weit mehr: seine Oberfläche ist normalerweise zweigeteilt, wobei auf einer Seite Miniaturbilder zu sehen sind (mit Unterstützung des EXIF-Formats bei JPEG-Bildern, was bedeutet, daß das Programm für diese Vorschau nicht das im Einzelfall vielleicht mehrere MB große Bild laden muß) und auf der anderen Seite dann das jeweils ausgewählte Bild. Dieses kann ebenfalls als Vollbild betrachtet, vergrößert und verkleinert sowie bearbeitet werden. ShowGirls bietet nämlich ein paar grundlegende Werkzeuge für die Farbanpassung, die Änderung der Auflösung, die Glättung und Schärfung, die Reduzierung des Rauschens, Glüh- und Verwischungseffekte sowie Funktionen zum ausschneiden, drehen, rotieren und spiegeln; außerdem können auch mehrere Dateien automatisch konvertiert werden. Auch kann eine 3D-Ansicht (mit 3D-Beschleunigung) erzeugt werden, aber das ist natürlich eher eine Spielerei.
Ursprünglich entstanden ist das Programm als ein Werkzeug für Digitalkameras, weshalb es auch alle benötigten Funktionen zur Arbeit mit Dateien auf Massenspeichergeräten aufweist. Und zusammen mit einer USB-Kamera, die als Massenspeichergerät fungiert, braucht man denn auch kaum etwas anderes. Sollte die Kamera allerdings den PTP-Standard nutzen, so muß man sich wohl anderswo umschauen.

PTPDigCam
PTPDigCam Dies ist ein nettes, sowohl natives als auch originäres Programm (d.h. es basiert nicht auf Bibliotheken, die von Linux portiert wurden), welches das Herunterladen und Löschen von Bildern, Videos und Audiodateien von Kameras von Canon, Nikon, Kodak oder Sony ermöglicht, die nach dem PTP-Standard arbeiten. Aktuelle Versionen lassen den Anwender die Aufnahmen auch anhand ihrer EXIF-Miniaturbilder auswählen, wobei die sorgfältig geschriebene Software mit einer gefälligen und ausgefeilten MUI-Oberfläche aufwartet. Auch wenn es nicht das komplexeste Programm der Welt ist, so zeigt es doch den Geist der alten Amiga-Gemeinde: denn die meisten alternativen Betriebssysteme unterstützen den PTP-Standard nicht und nötigen den Anwender daher, sich einen Card-Reader zuzulegen. Und so kostengünstig ein solches Zubehör auch sein mag, so ist es doch stets besser, eine Softwarelösung zu haben, die auch diesen nicht so weit verbreiteten Standard erkennt. Zudem existiert auch eine Alternative, genannt SimpleCam, die auf libPTP basiert, was aus der Linux-Welt portiert, aber mit einer MUI-Oberfläche versehen wurde. Und für diejenigen, die ihre Digitalkamera gerne fernsteuern, gibt es des weiteren auch die CanonToolBox, der ebenfalls libPTP zugrundeliegt.

PowerSDL games PowerSDL
Dieser sinnträchtige Name bezeichnet ein Software-Paket, welches indirekt die Verfügbarkeit von Programmen für MorphOS erweitert. Beim Simple DirectMedia Layer (SDL) handelt es sich um eine plattformübergreifende Multimedia-Bibliothek, die Abstraktionsebenen für Grafik, Ton und Eingabegeräte bietet. Hierdurch erlaubt es SDL dem Entwickler, Computerspiele oder Multimedia-Anwendungen zu schreiben, die unter vielen Betriebssystemen laufen und eine Vielzahl von Portierungen ermöglichen. Die MorphOS-Version wurde gegenüber der ursprünglichen Amiga-Portierung deutlich verbessert und besteht inzwischen aus mehreren Programmbibliotheken (die somit auch von Closed source- bzw. nicht der GPL unterliegender Software aufgerufen werden können), die das MorphOS-API vollständig nutzen.

OS4Emu
Dies ist ein Beispiel für Software, welche die lauffähigen Anwendungen direkt erweitert: es handelt sich um einen sogenannten Wrapper für das AmigaOS 4-API (welches dem von MorphOS angesichts der gemeinsamen Abstammung sehr ähnlich ist), d.h. es leitet die entsprechenden Schnittstellen zu ihren Entsprechungen unter MorphOS um. Hierdurch besteht die Chance, daß ein AmigaOS 4-Programm, wenn man sein Piktogramm unter MorphOS per Doppelklick (oder aus der Befehlszeile heraus) zu starten versucht, auch tatsächlich läuft. Zu den nennenswerten Beispielen hierfür zählt FPSE, der bereits erwähnte Emulator für Sonys PlayStation, welcher dank Poseidon (des USB-Stacks von MorphOS) ironischerweise gegenüber seiner eigentlichen Umgebung, AmigaOS 4, auch USB-Controlpads unterstützt. (Dies wird dadurch ermöglicht, daß sich unter Poseidon einzelne Tastatureingaben mit den Controlpad-Knöpfen verknüpfen lassen. Unter anderem ebenfalls lauffähig sind SID4Amiga (ein Wiedergabeprogramm für C64-Musikdateien), einige Szenedemos, viele Shell-Befehle und -Hilfsprogramme sowie eine Reihe weiterer Software. Die Kompatibilität ist zwar nicht hundertprozentig, verbessert sich aber mit jeder weiteren Version.

 
Erweiterte Software-Grundlage

Cubic IDE Einen der wichtigsten Vorteile der MorphOS-Kompatibilität mit Amiga-Programmen stellt für die Anwender der Umstand dar, daß sie nahezu all ihre früher für den Amiga erworbenen kommerziellen Programme weiterhin benutzen können - und das bei einem deutlichen Geschwindigkeitszuwachs. Die MorphOS/Pegasos-Computerplattform muß somit nicht bei null anfangen! Auch wenn das offizielle Ende von Commodore bereits auf den 29. April 1994 datiert, wurden doch noch viele Jahre danach weiterhin Programme für den Amiga geschrieben. Und einige bedeutsame Anwendungen werden auch heute noch aktiv gepflegt - wie zum Beispiel das ausgesprochen hochentwickelte Desktop-Publishing-Programm PageStream (welches aktuell sowohl für den Amiga, Linux, Mac OS und Windows vorliegt als auch in nativer PowerPC-Version für MorphOS), der fortgeschrittene Editor GoldEd (der inzwischen Hauptbestandteil des Cubic IDE ist, einer integrierten Entwicklungsumgebung, die alle wichtigen Programmiersprachen und SDKs abdeckt, die für AmigaOS/MorphOS erhältlich sind), oder das Präsentationsprogramm Hollywood (welches das erhabene Erbe von Scala antritt und dabei die Kompatibilität zu diesem bewahrt - erweitert um all die Funktionalität moderner Grafiksysteme).

Doch nichtsdestotrotz: wenn eine Computerplattform über eine nur kleine Anzahl von Anwendern verfügt, eben so wie MorphOS, wird die Entwicklung neuer Software schwierig. Denn dieser Umstand ermutigt nicht gerade zur Herstellung kommerzieller Software, ist es doch unwahrscheinlich, daß hinreichende Verkaufszahlen erzielt werden können. Und auch die Produktion von Open source-Software oder Shareware ist gleichbleibend oder nur sehr langsam ansteigend, da sich keine genügend große Zahl an Entwicklern findet: ein jeder von ihnen ist bereits mit mehreren Projekten befaßt und kann keine Zeit für noch weitere erübrigen. In solch einem Fall bietet sich eine Lösung an, die mitunter die Entwicklungszeit eines Programms drastisch zu verkürzen vermag: das Portieren von Software anderer Plattformen.

MPlayer Blender Als das AmigaOS entworfen wurde, stammte die Inspiration für eine Reihe von Strukturen und Funktionen von Unix, und so findet sich dies natürlich auch im ABox-API von MorphOS wieder. Dadurch ist das Portieren kleinerer Befehle, Hilfsprogramme, Anwendungen und Spiele von Unix für AmigaOS - und mittlerweile von Linux für MorphOS - mitunter nicht schwer. Zwei spezielle Systembibliotheken (ixemul.library und ixnet.library) erleichtern so manche Portierung, die besondere linuxartige Routinen erfordert. Auch große und komplexe Anwendungen wie MPlayer, MEncoder, MLDonkey, E-UAE, MAME und Blender wurden so an MorphOS angepaßt.

Haupthindernisse für die Portierung derartigen Quellkodes sind das Fehlen der Funktion fork() im AmigaOS bzw. der ABox von MorphOS und generell der Umstand, daß AmigaOS/MorphOS nicht vollständig POSIX-kompatibel sind, sowie schließlich die außerordentliche Schwierigkeit der GUI-Portierung. Denn unter Linux basieren die grafischen Benutzerschnittstellen auf Fenstersystemen, die für gewöhnlich Teil größerer Desktop-Umgebungen und nicht in das Betriebssystem integriert sind. Abgesehen von einer im Frühstadium befindlichen X-Window-Portierung wurde denn auch noch nie ein Linux-Fenstersystem an AmigaOS bzw. MorphOS angepaßt. Letztlich aber bedeutete ein solches Vorhaben auch keinen wirklichen Nutzen, denn das Unterfangen wäre nicht nur sehr arbeitsaufwendig, sondern man muß sich auch vergegenwärtigen, daß selbst das kleinste Fenstersystem für Linux noch mindestens fünfmal größer ist als MorphOS als ganzes. Eine hierdurch gewonnene einfache GUI-Portierbarkeit hätte also den vollständigen Verlust seines Charakters als ein ressourcenschonendes Betriebssystem zur Folge und würde MorphOS in ein überflüssiges neues, aber linuxähnliches System verwandeln.

Hieraus resultiert, daß AmigaOS bzw. MorphOS - anders als andere Systeme - bisher keine Portierung solch ausgesprochen umfangreicher und bedeutsamer Anwendungen wie Mozilla oder Open Office gesehen hat. Das Fehlen derartiger Programme, die für den normalen Anwender als Kompatibilitätsschnittstelle zur gesamten Computerwelt grundlegend sind, stellt für MorphOS das größte Hindernis im Hinblick auf eine breitere Annahme im Desktop-Computermarkt dar.

Nach der Einsicht in die Aussichtslosigkeit, solch große Bestandteile aus Linux-Distributionen für MorphOS portieren zu wollen, besann man sich daher auf eine bessere Idee: die Schaffung sogenannter "Wrapper", die alle Aufrufe bestimmter Grundstrukturen des einen Systems auf ihre Entsprechungen im anderen umleiten. Einer dieser Ansätze befaßt sich mit GTK (dem GIMP-Toolkit, wobei GIMP ein Bildbearbeitungsprogramm ist, das zuerst von diesem Toolkit profitierte); das entsprechende Wrapper-Projekt versucht, Aufrufe, die ursprünglich an das populäre Fensterelement-System GTK gerichtet waren, abzufangen und durch ihre MUI-Entsprechungen zu ersetzen. Gegenwärtig bedeutsamer aber und ein sehr umfassendes Wrapper-Projekt stellt KHTML dar, die HTML-Layout-Engine des KDE-Projekts. Ein umfangreicher Wrapper für den Einsatz von KHTML unter MUI befindet sich gegenwärtig in Arbeit (eine erste Betaversion wurde im November 2006 veröffentlicht, so daß das Projekt voraussichtlich im Laufe des Jahres 2007 vollständig benutzbar sein wird). Der Erfolg dieses Vorhabens wird einen großen Einfluß haben auf die Zukunft der MorphOS/Pegasos-Plattform. Denn MorphOS-Anwender werden dann über einen "State of the art"-Browser verfügen (da die derzeit verfügbaren nativen Browser nicht auf der Höhe der Zeit sind), potentielle Neu-Anwender werden weniger zögerlich sein und das Gelingen dieses einen Projektes wird zu ähnlichen Anstrengungen auf anderen Feldern ermutigen (z.B. hinsichtlich einer Open Office-Portierung).

 
Wer benötigt MorphOS?

Die vorangegangenen Argumente verdeutlichen, daß die Nutzung von MorphOS als Haupt-Betriebssystem im Desktop-Bereich eine Anzahl von Einschränkungen mit sich bringt, welche bisher noch einen professionellen Einsatz im großen Stil verhindern. Jedoch ist MorphOS bereits brauchbar für sehr spezifische professionelle Einsatzbereiche und zudem durchaus gut geeignet für semi-professionelle sowie Hobby-Zwecke. Und natürlich sind die genannten derzeitigen Einschränkungen irrelevant für den Markt eingebetteter Systeme, wo allein der geringe Ressourcenbedarf sowie das rasche Ansprechverhalten die wirklich kennzeichnenden Eigenschaften darstellen.

Und schließlich, auch wenn dem geneigten Leser die folgenden Worte paradox erscheinen mögen, kann man sagen, daß jene Charakteristika, die für den professionellen Einsatz limitierend erscheinen, tatsächlich von vielen derzeitigen Anwendern gerade als Vorteil erachtet werden. Denn diese fortgeschrittenen Anwender können nahezu jedes Defizit der für MorphOS verfügbaren Software durch kostenlose, Shareware- oder kommerzielle Programme kompensieren, die bereits für die Amiga-Plattform existieren oder sich für MorphOS in der Entwicklungsphase befinden. Sie nutzen MorphOS bereits in bester Form, wobei sie ein Ansprechverhalten erreichen wie es ohne Parallele auf anderen Plattformen ist; und dabei ist ihr System vollkommen immun gegenüber jedem Virus, Wurm, Trojaner, Spyware, Adware und ähnlichen Bedrohungen des Netzes. Und sie können Linux und Mac OS X (mittels Mac-on-Linux) auf ihrem Pegasos installieren, falls sie doch einmal FireFox oder Office benötigen; oder aber sie machen Gebrauch von RDesktop innerhalb ihrer MorphOS-Umgebung und bedienen somit einen PC aus der Ferne.

Andere potentielle Nutzer von MorphOS könnten Personen sein, die "frei" sein möchten von einer monolithischen, autoritären Umgebung wie Windows, und/oder nicht "bedroht" sein wollen von den unergründlichen Tiefen unixartiger Systeme, die nur von erfahrenen Linux-Freaks vollständig gehandhabt werden können. Und selbstverständlich liegt es in der Natur von MorphOS, die beste Wahl für nostalgische Amiga-User zu sein, die die Geschwindigkeit einer realen neuen Maschine erfahren wollen anstatt sich der künstlichen Umgebung anzupassen, die der Emulator UAE darstellt.

Wobei es sich hinsichtlich der vorgenannten Nutzergruppen noch nicht um eine erschöpfende Liste potentieller MorphOS-Anwender handelt. Falls dieses Betriebssystem auch auf PowerPC-Systemen für den Markt eingebetteter Systeme zum Einsatz kommen sollte, würde sich ihnen nämlich eine weitere Gruppe spezieller Anwender anschließen: Entwickler der zugehörigen eingebetteten Programme. Diese würden eine komfortable Desktop-Umgebung für ihre Arbeit benötigen und dabei den Nutzen des Dialogs mit einer Anwenderschaft entdecken, von der ein hoher Prozentsatz (höher als bei den meisten anderen Plattformen) selbst erfahrene und hilfsbereite Programmierer sind.

Die weitere Evolution dieses Systems sollte gegenwärtige Einschränkungen aufheben und für eine breitere Anwenderbasis Sorge tragen: unbefangene Menschen, die in der Lage sein werden, neue Horizonte zu erschließen und die bestehende Nische zu erweitern.

 
Schlußfolgerungen

Dieser Artikel hat versucht aufzuzeigen, daß es sich bei MorphOS um ein vitales Werk mit langsamen aber stetigen Fortschritten handelt. Der geringe Ressourcenbedarf und seine Geschwindigkeit machen dieses Betriebssystem zu einem durchaus praktikablen Kandidaten für den Desktop-Einsatz - aber um so mehr glänzen diese Eigenschaften somit, wenn man auch den Markt eingebetteter Systeme hinzuzieht, wo als Voraussetzung das Fehlen von Festplatten, geringer Arbeitsspeicher und im unteren Leistungssegment angesiedelte Prozessoren gang und gäbe sind. Denken Sie nur an die Möglichkeiten, die ein sehr schnelles Betriebssystem bietet, das zur Gänze in ein kleines Flash-ROM paßt...

MorphOS setzt Anwender voraus, die seine speziellen Fähigkeiten und interessanten Möglichkeiten erkennen und sie zu nutzen versuchen. Dies könnte der Auslöser sein für eine neue, rasche und gut unterstützte Entwicklungsphase. Unter den Lesern dieses Artikels könnten sich neue Anwender finden, die angezogen werden von der Effizienz, der Flexibilität oder auch dem verborgenen Nischencharakter von MorphOS. Und wer weiß, vielleicht wird dieser Artikel sogar auch von einflußreichen Persönlichkeiten gelesen, die eine Gelegenheit erkennen, Profit für ihre jeweiligen Unternehmen aus diesem Betriebssystem zu schlagen, und daher dabei helfen werden, ihm eine großartige Zukunft zu schaffen.

 
Nützliche Links

Webseiten der MorphOS-Anwender
Das Zentrum, um das sich alles dreht, ist die MorphZone; andere wichtige Seiten sind: Pegasos.org; Obligement; #amigazeux; Amiga Impact

Nachrichtenseiten und Foren
MorphOS-News; Amiga-News; AmigaNN; AmigaWorld; Amiga.org; Moo bunny

MorphOS-Entwicklerseiten
MorphOS-Team; Ambient Desktop; MorphOS Developer Connection

Hardwarebezogene Seiten
Genesi; PegasosPPC; MorphOSPPC; Freescale MobileGT Platform

Softwarebezogene Seiten
Aminet; MorphOS-News; MorphZone

Amiga-Geschichte
Amiga History Guide; Die Geschichte des Pegasos

Anleitungen (PDF-Dokumente)
Le livre du Pegasos; sowie dessen Übersetzungen: Das Pegasos-Buch

FAQs
MorphZone Quick Help.

Reviews
DoctorMorbius_FP Homepage

 
F.A.Q.

Wie kann ich online gehen, um den TCP/IP-Stack herunterzuladen, wenn auf der MorphOS-CD gar keiner enthalten ist?
[Ironische Antwort] Bitte erläutern Sie, wie Sie die MorphOS-CD heruntergeladen haben...
[Ernsthafte Antwort] Dieses Problem besteht in der Praxis gar nicht. (1) Falls Sie einen Amiga mit einer PowerPC-Turbokarte besitzen, so verfügen Sie bereits über einen TCP/IP-Stack und können diesen auch unter MorphOS weiterhin nutzen. (2) Falls Sie eine ODW von Genesi gekauft haben, so finden Sie auf dieser bereits eine oder mehrere Linux-Distributionen installiert, weshalb Sie für den Anfang unter Linux alles herunterladen können, was Sie für MorphOS benötigen. (3) Wirklich auftreten kann das Problem nur dann, wenn Sie das PegasosPPC-Board einzeln erworben haben, um selbst mit dem Zusammenbau eines individuell konfigurierten Rechners zu experimentieren. In diesem Fall aber sind Sie auch hinreichend clever und erfahren, entweder den Verkäufer nach der MorphOS-CD sowie einem TCP/IP-Stack zu fragen oder aber sich beides mittels eines anderen Computers herunterzuladen.

Beim Aufspielen von MorphOS fordert mich das Installationsskript dazu auf, zwei Partitionen anzulegen und zu formatieren: eine sehr kleine FFS-Partition für die boot.img-Datei, und eine größere, bootbare, möglichst SFS-formatierte Partition für die Systemdateien. Nun wird hier aber behauptet, eine einzige Partition reiche aus.
Dieses Verhalten der Intallationsroutinen von MorphOS liegt in der Notwendigkeit begründet, abwärtskompatibel zu bleiben. Ältere HAL/OF-Versionen konnten nur mit FFS-, nicht aber mit SFS-Partitionen umgehen. Daher wurde das boot.img auf einer FFS-Partition plaziert, damit es von der HAL/OF ausgeführt werden konnte. Andererseits aber war und ist es besser, Systemdateien auf einer SFS-Partition zu haben, da dieses Dateisystem zuverlässiger ist. Neuere HAL/OF-Versionen können aber inzwischen auch SFS-Partitionen (und ebenso PFS-Partitionen) lesen, weshalb Sie ebensogut alles auf einer einzigen SFS- oder PFS-Partition speichern können.

Im Text wird behauptet, MorphOS komme einem Echtzeitbetriebssystem (real-time operating system, RTOS) recht nahe. Dies hat jedoch überhaupt keine Bedeutung, denn ein RTOS verfügt über eine präzise technische Spezifikation. Ansonsten nämlich könnte jedes Betriebssystem ein RTOS sein, sofern es denn auf einem hinreichend schnellen Computer liefe.
Der vorliegende Artikel richtet sich nicht an Ingenieure und Wissenschaftler, denn dann wäre er viel länger und langweilig. Daher werden dem Leser die Informationen gegebenenfalls auch durch sehr vereinfachende Vergleiche präsentiert. Bezogen auf den konkreten Fall war der Hintergedanke schlicht, daß dieses Betriebssystem, wenn man seine typische Hardware (PegasosPPC-Rechner) voraussetzt, absolut gesehen extrem schnell ist. Und relativ gesehen besteht außerdem auch ein bemerkenswerter Unterschied zwischen der Geschwindigkeit von MorphOS einerseits und jener von PowerPC-Linux-Distributionen andererseits. Die wesentliche Information ist also, daß das Geschwindigkeitsverhältnis zugunsten von MorphOS auch auf viel schnellerer Hardware ungefähr dasselbe bliebe. Schließlich ist MorphOS auch näher an einem RTOS als Linux.

In früheren Versionen dieses Artikels las ich unterschiedliche Angaben zur Größe von MorphOS als ganzes. Welches ist denn nun der tatsächliche Umfang von MorphOS?
Die Zahl, die eigentlich in der ersten Ausgabe dieses Artikels hätte stehen sollen, war 15 Megabyte - aber die "1" war in irgendeiner Phase der fieberhaften Fertigstellung verlorengegangen. Hierdurch erklären sich die Angaben von 5 und 15 MB. Später wurde dann von manchen Leuten eingewandt, daß bei der Größe von MorphOS auch das boot.img einzuberechnen sei, sowie zudem der erweiterte Umfang der neuen Versionen von Ambient und MUI. Vor diesem Hintergrund wurde die Größenangabe schließlich sicherheitshalber auf "weniger als 20 Megabyte" geändert. Nichtsdestoweniger aber, welche Zahl auch immer man wählt, so bleibt der ressourcensparende Charakter von MorphOS natürlich trotzdem erhalten.

Im Text heißt es, daß Quark und andere grundlegende Komponenten komprimiert in der boot.img-Datei vorliegen. Inwiefern komprimiert?
Die boot.img-Datei ist ein GZip-Archiv, in welchem sich die tatsächliche Image-Datei (bootpegasos2rom.img) befindet; diese wird dann seitens der HAL/OF extrahiert und ausgeführt.

Des weiteren wird behauptet, Quark unterstütze Speicherschutz und Virtuellen Speicher, aber es scheint, daß diese Funktionen gar nicht aktiviert sind.
Speicherschutz gab es im AmigaOS nicht, weshalb diese Funktion aus Kompatibilitätsgründen auch nicht in der ABox von MorphOS implementiert ist (denn nahezu alle alten Anwendungen würden unter Speicherschutz nicht mehr richtig laufen). Andererseits aber kann Speicherschutz von der QBox genutzt werden und wird zukünftigen Anwendungen, die speziell für die QBox entwickelt werden, zur Verfügung stehen, sobald die Übersiedlung der Hardware-Treiber aus der ABox in die QBox erfolgt ist. Virtueller Speicher hingegen wurde zwar zu Beginn in MorphOS implementiert, jedoch wird dessen Entwicklung gegenwärtig aufgrund sehr geringer Priorität nicht weiterverfolgt. Tatsächlich nämlich ist der maximale Speicherbedarf von MorphOS sowie seiner nativen und vom Amiga übernommenen Programme sehr klein im Vergleich mit den heutzutage üblicherweise eingesetzten Speicherbausteinen.

 
Historische Anmerkungen

Extrem geraffte Geschichte des (klassischen) Amiga:
Wie vielleicht bekannt, wurde der Amiga als eine außergewöhnliche Spieleplattform erachtet. In den späten 80er und frühen 90er Jahren verzeichnete er eine sehr große Anwenderzahl. Doch wenn jemand meinen sollte, daß es sich hierbei lediglich um eine als Computer getarnte Spielekonsole gehandelt habe, so irrt er sich. Der Amiga verfügte über 4096 Farben als die PC-Bildschirme schwarz-grün daherkamen, er besaß mehrere Audiokanäle und Sprachausgabe als die PCs bis auf einzelne Piepser stumm waren und er operierte mit präemptivem Multitasking als PCs noch ein Programm nach dem anderen abarbeiteten. Aus diesem Grunde versammelten sich auch nicht nur Videospieler um den Amiga, sondern auch fortgeschrittene Anwender, die ihn zu professionellen Zwecken einsetzten.
Nach dem Untergang von Commodore im Jahre 1994 zerstreute sich die Amiga-Gemeinde allmählich. Die Spieler orientierten sich Richtung PC und Spielkonsolen, während die meisten Software-Häuser und professionellen Entwickler ihre Programme konvertierten und sich dem PC und dem Mac zuwandten. Dennoch hielt ein harter Kern dem Amiga die Treue. Einige Software-Häuser und Hardware-Produzenten, ein paar professionelle Programmierer und viele Freizeit-Entwickler, Hobbyisten, Amateure und fortgeschrittene Anwender vereinigten sich über das Internet zu einer eng verbundenen und ausgesprochen disputfreudigen (aber somit auch vitalen) Gemeinschaft.

Extrem geraffte Geschichte des Pegasos und von MorphOS:
Während einer Reihe von Jahren wanderten die Rechte am Amiga von einer Hand zur nächsten, ohne daß es eine wirkliche Weiterentwicklung gegeben hätte; in erster Linie wurden sie bloß als eine bekannte Marke zu Werbezwecken genutzt. Inzwischen aber waren einige außerordentliche Angehörige der Amiga-Gemeinde hervorgetreten und in der Lage gewesen, etwas zu erschaffen, was vor ihnen noch keine andere Gruppe nostalgischer Retro-Computerfans erreicht hatte: vom Grund auf neu entwarfen sie eine eigene PowerPC-basierte Hardware-Plattform und ein neues Betriebssystem. Ein Gespann, das in der Lage war, das Amiga-Erbe aufzufangen und die bestehende Gemeinschaft von Hardcore-Usern mit neuem Leben zu versehen. Bei diesen Hardware-Zauberern handelt es sich um die Mannschaft von bplan/Genesi, während software-seitig alles vom MorphOS-Entwicklerteam gestartet wurde, angeführt von Ralph Schmidt, Autor des Microkernels Quark, und Frank Mariak, Schöpfer von CGX.

Extrem geraffte Geschichte des AmigaOne und des AmigaOS 4:
Eine weitere PowerPC-basierte Anwenderschar trat in diesem Jahrhundert hervor. Die Besitzer des Amiga-Warenzeichens, hauptsächlich an der Nutzung des Namens in einem anderen Marktsegment interessiert, nahmen ein Outsourcing der Entwicklung bzw. der Produktion der Soft- und Hardware vor. Dies führte zur AmigaOS 4/AmigaOne-PowerPC-Plattform. Während das Betriebssystem noch immer weiterentwickelt wird, fehlt inzwischen die Hardware, da diese auf einem Entwickler-Board basierte, welches nicht mehr hergestellt wird. Somit befindet sich diese Hälfte der Amiga-Gemeinde in der schwierigen Lage, neue Hardware finden zu müssen - eine Situation, die durch Lizensierungserfordernisse zusätzlich verkompliziert wird.

 
Mitwirkende

Fulvio 'DoctorMorbius_FP' Peruggi schrieb den größten Teil des englischen Originaltextes
Andrea 'Guruman' Maniero trug viele Inhalte zum Abschnitt "Entwicklerwerkzeuge" bei und schrieb die englische Originalfassung der Kapitel "Spiele" und "MorphOS-exklusive Software"

Frank Mariak las den Text sorgfältig gegen und prüfte die technischen Aspekte auf inhaltliche Richtigkeit
Ed Vishoot las den Text ebenfalls sorgfältig gegen und machte wichtige Vorschläge zu seiner Verbesserung
Martin 'Senex' Heine machte zahlreiche Vorschläge und kritische Anmerkungen zur Verbesserung des Textes

Stefan Blixth stellte folgende Bilder zur Verfügung: MorphOS1.jpg, MorphOS2.jpg, MorphOS0.jpg, Blender.jpg
Gunne Steen steuerte folgende Grafiken bei: UAE_Workbench.png, AboutMUI.png, MainPrefs.png, AmbientSettings.png, ShowGirls.jpg, MUIPrefs.png, MPlayer.jpg
Fulvio 'DoctorMorbius_FP' Peruggi ergänzte folgende Bilder: Shell.png, VGP2_001.png, VGP2_007.png, MAME_MorphOS004.jpg, CubicIDE.png
Andrea 'Guruman' Maniero lieferte folgende Abbildungen: quake3_003.jpg, freespace2.jpg, robinh_000.jpg, scummvm_000.jpg, fpse_000.jpg, ANR_003.jpg, showgirls_001.jpg, PTPDigCam_001.jpg, chromium_004.jpg
Christian 'tokai' Rosentreter brachte das Bild UAE_SuperFrog.png ein

Andrea 'Guruman' Maniero und Fulvio 'DoctorMorbius_FP' Peruggi: Italienische Übersetzung
Martin 'Senex' Heine und Oliver 'Bladerunner' Hummel: Deutsche Übersetzung
Andrei 'mobydick' Shestakov und 'AmiF1team': Russische Übersetzung
Jean-François 'Jeffrey' Richard: Französische Übersetzung
Héctor 'Amiades' Juan López: Spanische Übersetzung

Dies ist die Version 2.02 (2007-1-07) unserer gemeinschaftlichen Ausarbeitung.