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Lyrik für Kinder:
Geschichten vom Wasser I
Die Quelle ist eine Tänzerin:
Sie dreht sich und singt,
wispert und klingt
nach Tauwetter, Schnee
Huflattich und Sauerklee.
Geschichten vom Wasser II
Der Bach ist ein Langstreckenläufer:
Er rauscht durch Wald und Wiesen,
will nur eins, ans Meer.
Deswegen beeilt er sich so sehr.
Geschichten vom Wasser III
Der Fluss ist ein Reisender:
Er hat alles im Koffer,
was er in fernen Ländern braucht.
Geschichten vom Wasser IV
Der See ist ein Sammler:
Er fängt das Himmelblau,
das Wolkengrau,
das Grün vom Wald
und bald
auch die Nacht
und greift sacht
für mich und für dich
nach den Sternen.
Geschichten vom Wasser V
Das Meer ist ein Verwandlungskünstler:
Mal trägt es Blau
mal Grau.
Nachts gibt es sich bedeckt
und vornehm in Stoffen,
schwarz mit Silber.
Licht, Schatten / Tag, Nacht
Im Osten hat sich die Nacht
auf samtenen Pfoten davongemacht.
Später steigt das Licht herauf.
Das ist der Lauf,
das rollende Rad des Lebens.
Der Morgen haucht Tau ins Gras.
Der Nebel spielt Haschmich mit den Hasen.
Die Sonne steigt auf die Himmelsleiter,
Stufe um Stufe,
um uns zu winken.
Die Sonne lässt alles wachsen,
dich, die Blume, die Bäume,
spielt mit den Schatten,
erhellt unsere Räume.
Sie macht den Frühling, den Herbst,
kitzelt unsere Nasen
und lässt auf dem Rasen
die Mücken tanzen
und uns zwei.
"Ich weiß nicht", sagt der Tag,
"ob ich jetzt schon gehen mag."
Spricht der Abend:
"Wenn's für mich Zeit ist,
weiß ich genau.
Geh über die Berge
und male sie blau.
Am Abend hängen die Engel
Laternen in den Himmel.
Drum kriegt die Nacht
keine schwarzen Augen.
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Lyrik für Erwachsene:
Am Morgen
Das Atemholen der Erde
Eine Rabenschar
die mir in die Träume zieht
Schemen laufen stumm
durch die Nebel
Im Zwielicht der Dämmerung
stehst du
und rufst
und
bringst mir ein Glasherzenglück
Aufgeräumt
Am Tisch Kaffee
die Zeitung von gestern
Buchstabenkrumen
die das Brot mir formt
Während ich esse
fallen die Jahre herein
schreiben sich in ein Gedicht
wie ihr
die ihr mit mir seid
Ein Blick
Mit den Jahren
zählen wir alle
das Glück
die Niederlagen
Schauen in den Ahnenbaum
aus dem ein Blatt fällt
sandgelb
Dann vielleicht
einander näher rücken
Ein Blick vor
Ein Blick zurück
Ende / Anfang
Mit den Schatten flogst du
aus dem Wald mit den Krähen
Kamst vor dem Novembergrau
das die Tinte bleicht im Schreiben
Nahmst A für Anfang und Z für Ziel
Ein schmaler Pfad, wo Hasen laufen
Wir nennen es Überwintern
Fragen an den Februar
Am Fluss den Enten zusehen
Treibeisinseln zählen
Hundertzehn, hundertelf
Die Magie der Zahl hat Grenzen
Ich hauche in die Hände
deute Zeichen in der Luft
Sind es verrostete Schlüssel
Wege, die für immer verloren sind
In wessen Macht steht es
Herztüren zu öffnen
ohne Vorbehalt
zu schließen
Gesten
Bei Cappuccino und Vanilleeis
sperrt sich das Wort
balkenschwer
geht es im Speichel auf Grund
Ich verlege mich auf Gesten
die Brüche kitten
oder dir mit der Axt ins Herz schlagen
Wer weiß
Intermezzo
Und doch
setzt wieder Warmzeit ein
Schmelzwasser spült uns
den Sand aus den Kehlen
Wir knöpfen rasch die Mäntel auf
Unter der Eishaut schwache Klopfzeichen
Vielleicht
Wenn ich könnte
würde ich das Fenster verschieben
die gekrümmte Gasse gerade biegen
damit ich dich einen Blick länger sehe
Deinen Moosmund
deine Sternenhimmelaugen
dein Vielleichtversprechen
ohne auf Gedeih und Verderb
Wiederkehr
Noch einmal
zurück an den Ort
wo die Tage stillstehen
Auch die Stühle und Läufer
dieselben unveränderten Gerüche
Träume in den Vorhängen
Zuversicht im Nussholzschrank
Da ist nichts
das in den Jahren verloren wäre
Kein Wort
das in Hast durch Gänge fällt
Da sind nur wir und die Zeit
die durchs offene Fenster läuft
Wir
Dein Blick legt sich auf mich
Blütenstaub
der von Blumenköpfen fällt
Wasser
von bemoosten Felsen
Bei dir bin ich
muss nicht auf Lichtfang gehen
darf ohne Vorbehalt trinken
Es ist kein Siegerspiel
Wir würfeln nicht
Wir sind uns |