
Auskünfte, Öffnungszeiten und Eintrittskarten
Für die Besichtigung der Stadtzentrum und der Kirchen in Mantua und Ferrara sind keine Eintrittskarten zu bezahlen. Die Kirchen sind von 12,00 zu 15,00 geschlossen.
FERRARA UND MANTUA ZWEI RENAISSANCE-HOEFE
Mantua
Eingebettet
in die Seenlandschaft der Lago Superiore, Lago Mezzo und Lago Inferiore, an
den Ufern des Mincio, liegt die schöne, friedliche Stadt Mantua. Vom Norden
kommend erreicht man Mantua über eine Brücke, die zwischen dem Lago di Mezzo
und dem Lago Inferiore in die Stadt führt: ein wehrhafter Anblick macht die
in der Vergangenheit strategisch wichtige und günstige Lage Mantuas
deutlich. Die Stadt lag inmitten einer weiten Sumpflandschaft, umgeben von
ehemals vier, heute drei Seen.
Schon
im 12. Jahrhundert hatte man durch Regulierungsarbeiten diese Insellage
geschaffen und konnte so den ständigen Bedrohungen von außen trotzen. Die
Stadt war einst Sitz des ehrgeizigen Herzogsgeschlechts der Gonzaga (von
1328 – 1708). Ein Rundgang von der Piazza Sordello über die Piazza Broletto
und die Piazza delle Erbe zur Piazza Mantegna macht die rege Bautätigkeit
der Herrscherfamilien deutlich. Der Stadtkern entfaltet sich an diesen vier
aufeinander folgenden Plätzen:
Piazza Sordello
- An der Piazza Sordello liegt der
Palazzo Ducale, der wichtigstes bauliches
Zeugnis der goldenen Zeit unter der Familie Gonzaga ist. Der aus
verschiedenen Gebäuden bestehende Komplex geht in seinen Ursprüngen auf die
Familie Bonacolsi (Ende 13. Jahrhundert) zurück. Ende des 14. Jahrhunderts
beauftragte Francesco I. Gonzaga den Architekten Bartolino da Novara mit dem
Bau des Castello di S. Giorgio. In den folgenden Jahren wurden viele
berühmte Künstler an den Hof der Gonzaga gerufen. Markgraf Ludovico II.
Gonzaga machte das Castello zu seinem Wohnsitz und holte 1460 Andrea
Mantegna als Hofmaler nach Mantua. Von ihm stammt die berühmte Camera degli
Sposi, wo Mantegna wunderschöne Fresken mit Darstellungen der Familie und
des Hoflebens der Gonzaga schuf. Zur selben Zeit wurden auch Luca Fancelli
und Leon Battista Alberti nach Mantua berufen, um dort - unter anderem - die
größte Kirche Mantuas, S. Andrea, zu bauen. Sie wurde auf den Fundamenten
einer alten romanischen Kirche geplant. An der Piazza liegen
der Dom von San Pietro (siebenschiffige
Basilika, ab 1545 nach Entwurf von Giulio Romano erneuert, barocke Fassade
1556-61; romanische Campanile, um 1140), der Palazzo Bonacolsi-Castiglioni
(13. Jh.), der Palazzo Bianchi (auch Vescovado, 18. Jh.; heute
Bischofspalast) und der 55 m hohe Turm della Gabbia (um 1300).
Piazza Broletto
- Zu der Piazza Broletto mit dem
gleichnamigen Stadtpalast (12./13./15. Jh.) leitet der Voltone San Pietro,
ein im Kern romanischer Torturm, über.
Piazza Erbe
- Besonders beeindruckend die Palazzi del Podestà, an dessen Außenfassade
die Skulptur “Vergil auf den Lehrstuhl” zu sehen ist, und della Ragione aus
dem 13. Jahrhundert, als Mantua eine freie Kommune war, oder der romanische
Rundbau der Kirche S. Lorenzo, der ältesten Kirche Mantuas. Sie befindet
sich neben dem Torre dell'Orologio, dem von Luca Fancelli 1473 erbauten
Renaissance-Uhrturm. Der Palazzo della
Ragione wurde im XIII. Jahrhundert erbaut und war dazu gedacht,
Versammlungen abzuhalten oder im Fall von schlechtem Wetter den Markt zu
beherbergen. Neben dem Palast wurde ein Turm von Luca Fancelli zwischen 1472
und 1473 errichtet, dieser enthält die astronomische Uhr von Bartolomeo
Manfredi.
Piazza Mantegna
- Mit der Andreaskirche (Neubau 1470
begonnen, nach Plänen von L. B. Alberti). Uns
beeindruckt besonders das Innenleben, sowohl was die Proportionen als auch
was die perspektivischen Gemälde anbetrifft. Da kann man mal sehen, wie
schnell sich das menschliche Auge verschaukeln läßt! In der Kirche werde in
einem Fläschchen das heilige Blut Jesus von Nazareth aufbewahrt. Die
Marmorfassade präsentiert sich wie in der Frührenaissance als antike
Tempelfront mit den Backsteinturm daneben als kräftiger Gegensatz.
FERRARA
Ferrara, eine Stadt im Herzen der Po-Ebene, die Atmosphäre wundervoller Straßen und Gebäude, die vor langer Zeit nach menschlicher Dimension entworfen wurden und heute den harmonischen Hintergrund eines lebhaften und bunten Treibens darstellen. Sehr vieles ist noch von der Zeit der Renaissance zu erleben: der Glanz des Hofes der Este, das grandiose Projekt der Erweiterung der Stadt unter Ercole I. d’Este, die wundervollen Fresken und Gemälde aus dem 15. und 16. Jh., das Schloss, die Stadtmauern, die Palazzi, Museen, Kirchen und Kreuzgänge, die vielen grünen Innenhöfe und die gepflegten Parkanlagen. Seit 1995 ist das historische Zentrum von Ferrara von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe als bewundernswertes Beispiel einer Stadt aufgeführt, deren Projekt auf die Renaissance zurückgeht und die über einen vollständig erhaltenen Stadtkern verfügt. Wenn man von Norden oder Osten nach Ferrara kommt, verwehrt die wundervolle Kulisse der Wallanlagen zunächst den Blick auf die historische Stadt. Hinter einem breiten grünen Stadtgraben erkennt man eine langgestreckte rote Backsteinmauer, die hier und da von Toren und Turmruinen unterbrochen wird und sich vor hohen, mit Bäumen bewachsenen Erdwällen erhebt. Die antiken Wallanlagen umgeben das historische Zentrum von Ferrara beinahe vollständig. Mit mehr als 9 km Länge stellen sie eine der eindrucksvollsten noch erhaltenen Verteidigungsanlagen des Mittelalters und der Renaissance dar. Die nördlichen Wallanlagen wurden großteils zwischen 1493 und 1505 errichtet. Sie begrenzen den Teil der Stadt, der nach dem Auftraggeber Ercole I. d’Este benannt und nach den Plänen des Architekten Biagio Rossetti realisiert wurde. Kennzeichnend für diesen Abschnitt ist eine Reihe kleinerer Wehrtürme mit halbkreisförmigem Grundriß. In der Mitte des nördlichen Abschnitts liegt die ehemalige Stadttor Porta degli Angeli, durch das der traurige Zug des letzten Herzogs Cesare d’Este 1598 die Stadt verließ. Die Stadtmauern im Osten wurden zwischen 1512 und 1518 von Alfonso I d’Este errichtet. Der südliche Abschnitt wurde zuletzt zwischen 1575 und 1585 unter Alfonso II d’Este verändert und weist vier enorme Bollwerke auf. Als Quadrivio dei Diamanti bezeichnet man die Kreuzung zwischen der Prachtstraße Corso Ercole I d'Este und Corso Porta Mare - Corso Biagio Rossetti. Die Kreuzung wird zwar auf den ersten Blick vor allem vom Palazzo dei Diamanti eingenommen, enthüllt aber unter Einbezug der anderen drei an den Ecken plazierten Palazzi (Palazzo Prosperi Sacrati, Palazzo Bevilacqua-Rossetti-Pallavicini, Palazzo Turchi di Bagno) eine höchst komplexe architektonische und städtebauliche Dimension. Schloß der Este (Castello Estense): im 14. Jh. errichtet; gibt eines der seltenen Beispiele für die harmonische Integration einer Burg in ein städtisches Umfeld ab. Hier haben wir zweifelsohne einen der schönsten Palazzi Italiens vor uns. Via Coperta ist das Gebäude im Hintergrund der Piazza Savonarola, das das Schloss mit dem Palazzo Municipale verbindet. Es wurde schrittweise im Laufe der Renaissance errichtet und ist eine Art überbauter, auf fünf Bögen ruhender Gang. Seit der Erbauung des Schlosses musste es eine Verbindung geben, die den Mitgliedern des Hofes in Fällen von Aufständen eine schnelle Flucht vom Palazzo in die Festung ermöglichte. Sicher ist, dass zwischen 1471 und 1477 eine Brücke von ca. 40 m Länge konstruiert und diese etwa fünfzig Jahre später überbaut wurde. Die Kathedrale, die im 12. Jh. errichtet wurde, weist Spuren aus ganz unterschiedlichen historischen Phasen auf. Die prächtige Fassade mit ihrem eigenartigen dreigeteilten Aufbau wurde im romanischen Stil begonnen. Aus der Anfangszeit stammt das große Eingangsportal mit wundervollen Reliefs, die von dem Baumeister Nicholaus (1135) geschaffen wurden. An der Längsseite der Kathedrale befindet sich die sogenannte Loggia dei Merciai, in der schon im Mittelalter einige Händler ihre Läden hatten. Über diesem sonderbaren Anbau erkennt man zwei merkwürdige dekorative Bogenreihen, die auf fantasievoll bearbeiteten kleinen Säulen ruhen. Der Entwurf für den großartigen Glockenturm in weißem und rosafarbenem Marmor, der in der Renaissance entstand und unvollendet blieb, wird Leon Battista Alberti zugeschrieben. Palazzo Comunale: die Fassade des vom 13.-14. Jh. erbauten Palastes wurde vor rund sechzig Jahren sorgfältig renoviert. Eine Säule und ein hübscher kleiner römischer Bogen bilden den stilvollen Rahmen des eleganten Gewölbes. Der Hof profitiert von seiner wunderbaren Renaissance-Freitreppe. Die ganze Südseite der Kathedrale wurde bei Bombenangriffen des letzten Krieges stark beschädigt. Beim Wiederaufbau hat man sich auf einige architektonische Elemente von früher stützen und dadurch den Reiz dieses Viertels erhalten können. Sich unbedingt ein Frühstück auf der Terrasse der Bar de la Torre genehmigen und dabei genüßlich das Durcheinander der Fahrradfahrer beobachten. Via delle Volte: wie schön, einfach nur durch die friedlichen Gäßchen des alten Viertels südlich des Doms zu schlendern. Wir gelangen schließlich auf die Via delle Volte, das beste Beispiel für eine noch tadellos erhaltene mittelalterliche Straße. Früher diente sie als eine Art Dienstbotenpiste, da von ihr aus die Hintereingänge der an der Hauptstraße aufgereihten Bürgerhäuser zugänglich waren. Die Hausangestellten konnten dank der Bogengänge ihre Aufträge trockenen Fußes erledigen. Sehr malerisch machen sich die Rundbogen aus dem 13. Jh. und die Spitzbogen aus dem 14. Jh., hauptsächlich zwischen den Vias S. Romano und Scienze. Via delle Volte ist eine enge mittelalterliche Gasse, die in sehr früher Zeit, d.h. zwischen dem 7. und 11. Jh., entstanden ist. Damals entwickelte sich Ferrara noch nicht rings um die Kathedrale, sondern parallel zum großen Arm des Po. Die Häuserfronten auf der einen Seite der Straße waren die rückwärtigen Fassaden von Lagerhäusern, die direkt am Flussufer lagen. In den Häusern auf der anderen Seite dagegen waren Wohnungen und Werkstätten untergebracht. Beide Hausreihen waren in regelmäßigen Abständen durch überbaute Bögen verbunden, die wie schwebende überdachte Brücken benutzt werden konnten. Noch immer sieht man verschiedene alte Gebäude, die zuletzt im 14. und 15. Jh. restauriert wurden, und viele malerisch verwinkelte Gassen, die zum Weiterschlendern auffordern.
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